DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Ghulgrube » Donnerstag 15. Mai 2014, 22:53

Ein Artikel auf RPGnosis heute hat mich auf einen Aspekt der Veränderungen mit DSA5 aufmerksam gemacht, der mir vorher so noch nicht aufgefallen war. Der Artikel enthält dabei die, wie ich finde, sehr interessante folgende Passage:

"DSA verabschiedet sich mit der 5. Edition vom Spielwelt-Regel-Realismus bzw. der diffuseren Eigenformulierung “Phantastischer Realismus”. Und ungeachtet dessen, ob DSA 5 am Ende gut spielbar wird oder nicht, DSA wird dadurch ein anderes Spiel. " (der vollständige Artikel findet sich hier: http://rpgnosis.wordpress.com/2014/05/15/dsa-5-betaregeln-1-adieu-phantastischer-realismus/)

Der phantastische Realismus war bislang auch schon vor DSA 4.0 eines der prägenden Grundkonzepte und gleichzeitig wohl auch eines der Alleinstellungsmerkmale von DSA. Dieses Grundkonzept hat den Hintergrund geprägt, und damit indirekt auch die zur Abbildung und Umsetzung des Hintergrunds konzipierten Regeln. (Etwas mehr dazu findet sich hier: http://www.wiki-aventurica.de/wiki/Phantastischer_Realismus)

Mich würde an dieser Stelle einmal interessieren, was ihr darüber denkt. Verabschiedet sich DSA5 vom phantastischen Realismus? Absichtlich, oder nur als Nebeneffekt? Und überhaupt - sollte DSA dieses Merkmal beibehalten? Im Beta-Grundregelwerk taucht der Begriff bislang kein einziges Mal auf. Wenn DSA5 tatsächlich eine Abkehr von diesem Prinzip herbeiführt - beabsichtigt oder nicht - sollte spätestens in der Beta-Phase geklärt werden, ob der phantastischen Realismus DSA erhalten bleiben soll.

Für mich ist die Antwort ein klar JA! - ich bin aber auch sonst nicht begeistert von dem bisherigen DSA5. Mich würde daher auch einmal interessieren, was die DSA5-Anhänger hier dazu denken.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon AlAnkhra » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:04

Phantastischer Realismus - darum spiele ich DSA. Sollte ein Alles-kann-passieren-Spiel daraus werden, werde ich es nicht mehr spielen, ganz klar. Der Hintergrund war das Schönste (oh,man. ich klinge schon wie auf einer Beerdigung) an DSA. Sollte das durch überpowerte Charaktere, die (Meta-)Plots ad absurdum führen, ausgehebelt werden, wäre es das Ende für DSA. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Redaktion dessen bereits bewusst ist. Ich würde auch furchtbar gerne die Stimmen der ehemaligen Redakteure, Schreiber und Künstler dazu hören, was jetzt gerade mit DSA5 passiert. Die Zukunft Aventuriens klingt schon fast borbaradiansich, nur dass nicht jeder Mensch ein Magier, sondern jeder Charakter ein Überheld ist.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon trollkongen » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:18

Auch für mich war DSA immer ein Spiel, das versucht hat, einem gewissen Simulationsmus zu frönen. Da ist man, gerade was DSA4 angeht, im Detail oft weit übers Ziel hinausgeschossen, aber es war eben, auch schon bei DSA3, einer der roten Fäden des Regelwerks. Man versuchte Spielwelt und Regeln eng miteinander zu verzahnen, wenn auch mit einem gewissen "Heldeneinschlag", der dann dem Realismus wieder einen Riegel vorschob. Die Mischung ist im Detail keineswegs immer gelungen, aber grundsätzlich stimmte das Gefühl. Nämlich, dass man nicht nur ein Spiel mit entsprechend abstrakten Regeln spielt, sondern dass die Welt auch mit diesen Regeln einigermaßen funktioniert. Hier kann man natürlich jetzt in die Tiefenkritik gehen, aber man schaue sich mal D&D4 oder Savage Worlds an, die da eben einen ganz anderen Ansatz haben.

Und ja, DSA5 scheint mit vielen Änderungen sich von diesem Simulationismus zu entfernen. DSA4 ist ohne Frage ein Regelmoloch, bei dem vieles vereinheitlicht und ja, auch vereinfacht gehört. Aber meines Erachtens hätte man das auch machen können, ohne gleich auf eine derartige Abstraktionsstufe wie nun mit dem Beta-Regelwerk zu klettern.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Letobi » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:28

Ich glaube von der Abschaffung des phantastischen Realismus zu sprechen, ist wirklich übertrieben, vor allem weil dies eigentlich nicht so sehr die regelhaft Abbildung der fiktiven Welt im Sinne von Regelwerk bedeutet, sondern doch vor allem die Schlüssigkeit der dargestellten Welt, die sich im Modus ihrer Beschreibung und ihrer Darstellung bestimmten Regel verpflichtet. Und Regel meine ich in einem abstrakteren Sinne wie Kosmologie, wirkende Naturgesetze, das Konzept lebendiges Aventurien, fortführende Geschichtsschreibung etc. Dazu gehören natürlich auch die Möglichkeiten, was Personen innerhalb dieser Welt bewirken können, also auf magischhe und karmale Weise. Das sich hier immer etwas von Regeledition zu Regeledition verändert, ist klar, denke ich. Wobei das eigentlich wirklich nur einer der Aspekte des Konzepts ist.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Eyola » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:28

DSA5 erscheint mir mehr wie DSA3, back to the roots, was ich jedoch nicht mit einem Rückschritt gleichsetze.
Ich bin mit DAS 2.0 und 3.0 aufgewachsen und das hat mich meine Kindheit und meine Jugendzeit begleitet. Die 4er Version war der Punkt, an dem ich aufgehört habe zu spielen.
Ich möchte nicht alles ver-regelt haben, ich möchte einfach nur spielen ohne groß im Spielfluss unterbrochen zu werden.
Es geht mir darum, dass ich am Spielabend etwas mit Freunden oder Bekannten erlebe, eine Rolle spiele in einer phantastischen Welt- dazu brauche ich keine Regel für alles, sondern dafür brauche ich Freiheit und lediglich einen Rahmen.
Phantastischer Realismus ist und bleibt in DSA erhalten - nämlich im Hintergrund der Welt und Regeln sind lediglich eine Begleitung.

Wenn DSA5 den Weg wieder zurück zu den Wurzeln findet, wird es für mich persönlich ein deutlich besseres Spiel und ich bin begrüße viele Änderungen, auch wenn noch einiges angepasst werden muss.

Ich hoffe und ich wünsche mir sehr, dass DSA 5 weniger auf Simulation setzt, sondern die Freiheit wieder an die Spieler abgibt und der Phantasie weniger Regel-Hürden in den Weg stellt.
Das wäre ein DSA wie ich es angefangen habe zu lieben und wie es wieder sein könnte mit der neuen Version.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Biest » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:33

Ich habe meinen, zugegeben kurzen, Kommentar bereits unter den Artikel gesetzt.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon AlAnkhra » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:39

Letobi hat geschrieben:Und Regel meine ich in einem abstrakteren Sinne wie Kosmologie, wirkende Naturgesetze, das Konzept lebendiges Aventurien, fortführende Geschichtsschreibung etc.


Und da Retcons dem zuwider laufen, bin ich sehr stark gegen diese.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Letobi » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:45

AlAnkhra hat geschrieben:
Letobi hat geschrieben:Und Regel meine ich in einem abstrakteren Sinne wie Kosmologie, wirkende Naturgesetze, das Konzept lebendiges Aventurien, fortführende Geschichtsschreibung etc.


Und da Retcons dem zuwider laufen, bin ich sehr stark gegen diese.


Ja, ich bin auch nicht grundsätzlich ein Fan von Retcons. Allerdings haben wir jetzt wirklich recht viele schon gut überstanden, ohne dass da alles zusammengekracht wäre. Manchmal mögen sie sogar notwendig sein.

@coolD20: Hatten wir aber auch schon oft, oder? Neue Regeleditionen bringen sowas eigentlich immer irgendwo mit sich.
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Arcos » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:46

Eyola hat geschrieben:DSA5 erscheint mir mehr wie DSA3, back to the roots, was ich jedoch nicht mit einem Rückschritt gleichsetze.
Ich bin mit DAS 2.0 und 3.0 aufgewachsen und das hat mich meine Kindheit und meine Jugendzeit begleitet. Die 4er Version war der Punkt, an dem ich aufgehört habe zu spielen.



Könnte ich dir an diesem Punkt zwei Fragen stellen? Hast du mit DSA5 vor wieder DSA zu spielen und kennst du auch Leute mit denen du eine Gruppe gründen würdest? Oder sagst du nur "ja ich find DSA5 voll toll, aber spielen werd ichs trotzdem nicht (weil ich niemanden kenne der von den anderen Systemen übergehen würde die bereits existieren und genauso wie DSA5 sind)"?
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Re: DSA5 - Das Ende des phantastischen Realismus?

Beitragvon Sokaras » Donnerstag 15. Mai 2014, 23:47

Ich verstehe schon, dass sich ein großer Teil der Community ueber die Geweihten aufregt, aber der Hintergrund konnte auch vorher nicht sinnvoll abgebildet werden. Daher finde ich Fragen, wie die mit den Geweihten bei Gareth immer wieder amuesant. Im Bezug auf Magie habe ich mir die Frage schon hundert mal gestellt. Korrekturbedarf besteht aber definitiv.

Was ich bei den neuen Regeln oft zu beobachten glaube ist, dass Ulisses immer an mindestens zwei Schrauben gleichzeitig dreht (Geweihte: Karmaregeneration, Karmapool, Karmakosten; Zauberer: ZauberAPkosten, Merkmalskenntnise; usw.) und deshalb ueber das Ziel hinausschießt. Vielleicht erstmal eine Schraube einstellen und dann weiterschauen.

Retcons haben Aventurien schon gerettet. Borbarad anyone?
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