Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Der Draughtangel » Donnerstag 7. November 2013, 19:53

Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Hallo zusammen.

Nach langem Überlegen hab ich mich dazu entschlossen meine Fragen zu Pathfinder mal hier anzubringen.

In unserer Gruppe spielen wir seid langem DSA.
Als wir in unserer Gruppe alle noch „jung und schön“ waren (Heute sind wir nur noch „und“ ;-)), haben wir auch Shadowrun (2) und AD&D (2) gespielt.
Wegen Zeitmangel wurde das dann auf DSA eingedampft.

Seit zwei Jahren juckt es es uns aber in den Fingern nochmal was anderes auszuprobieren, was in etwa dem „alten“ Stil von Rollenspielen entspricht.
Da sind wir schnell auf Pathfinder als D&D Nachfolger/Weiterentwicklung/Konkurrenz gekommen.

Wir besitzen noch einiges an AD&D Sachen und genau so ein System schwebt uns vor. Grundsätzlich bin ich bereit mir die Pathfinder Regeln zuzulegen, möchte aber auf die ganzen AD&D Sachen nicht verzichten.

Es wäre für uns deshalb sehr hilfreich, wenn uns jemand sagen könnte inwieweit sich Pathfinder von AD&D unterscheidet. Kann ich z.B. alte AD&D Abenteuer mit den Pathfinder Regeln spielen (Mit Anpassungen natürlich)? Die 4 Monsterkompendien weiter nutzen? Oder umgekehrt: Könnte ich neue Pathfinder Abenteuer auch mit den alten AD&D Regeln spielen?

Wie sehr unterscheiden sich die Systeme? Bei DSA ist es für mich ohne Probleme möglich DSA 2 und 3 Abenteuer auf die Regeln von DSA 4.1 umzuschreiben. Geht sowas bei Pathfinder oder sind die Unterschiede zu groß?

PS: Und wo wir grad dabei sind, wie siehts im Vergleich mit den Savage Worlds Regeln aus?
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Agam Sohn des Agamil » Donnerstag 7. November 2013, 23:08

Als jemand, der eigentlich erst mit Pathfinder ins D20-System eingestiegen ist, kann ich da im Grunde nicht viel zu sagen.
Ich weiss aber, dass Pathfinder durch die Open Game License eine gewisse Abwärtskompatibilität zu D&D 3.5 (und wohl bedingt auch drunter) gewährleistet.
AD&D kenne ich eigentlich nur aus älteren Videospielen wie Icewind Dale und Co., würde aber davon ausgehend schätzen, dass es wohl mit ein bisschen Arbeit auch möglich sein sollte, AD&D-Abenteuer mit den Pathfinder Regeln zu bespielen. Die gravierendsten Regel-Änderungen, die mir in den Sinn kommen, sind die etwas anders geregelte Rüstungsklasse (mittlerweile gilt: je höher desto besser) und die Kampfmanöver (für die es jetzt eigene Basiswerte gibt).
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Blackbot » Donnerstag 7. November 2013, 23:41

Hi,

falls du nur eine "neue" Version des Uralt-D&D suchst, empfehle ich dir, mal in Swords&Wizardry reinzulesen - eine leichte Anpassung der Uralt-Regeln inclusive Thac0 und Krams wie "Auf Stufe 10 erhält der Kämpfer eine Burg" (so aus dem Kopf, kein Anspruch auf Korrektheit!). Das Regelwerk (englisch) ist hier als kostenloser Download verfügbar.
Ansonsten lohnt es sich vielleicht, mal einige Kapitel von Pathfinder zu überfliegen - das deutsche PRD lässt zwar noch auf sich warten (lange Geschichte...), wenn du Englisch einigermaßen beherrscht bietet sich aber natürlich auch das englische PRD an. (Das offizielle oder das inoffizielle).

Spontan aus dem Bauch raus: Umfangreicher, jede Menge Probleme die man beheben wollte (Die Schere zwischen magischen und nichtmagischen Klassen etwa klafft nun nichtmehr so enorm - Magier sind früh nützlicher und Kämpfer später weniger unnütz). Ein On-The-Fly-Anpassen von alten AD&D-Modulen halte ich für möglich, jedoch schwerer als bei 3.5-Modulen.
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Beitragvon Günther Kronenberg » Donnerstag 7. November 2013, 23:51

Pathfinder ist eine Fortentwicklung von D&D 3.0/ 3.5, das wiederum AD&D 2nd edition beerbte (das "A" im Namen wurde nach der 2nd ed. fallen gelassen).

Pathfinder ist von der Regelmechanik sehr abwärtskompatibel zu D&D 3, leider war aber D&D 3 ein radikaler Umbruch zu seinen Vorgängerversionen. Viele Ausnahmen und Einschränkungen der Vorgängerauflagen wurden zu Grabe getragen: Z.B. dürfen Zwerge seitdem Kleriker werden (jedes Volk kann jede Klasse auswählen) und ein höherer Wert heisst immer besser (die Rüstungsklassen der älteren Editionen vor 3e wurden genau umgekehrt berechnet). Zauber sind nun sowohl bei göttlichen wie auch arkanen Zauberkundigen in 9 Grade unterteilt (bei Klerikern waren es 7), Menschen dürfen nun ohne Einschränkung mehrere Klassen haben, charaktere sind mithilfe von Talenten noch stärker individualisierbar, schon das Grundregelwerk bietet mehr als zehn Spielklassen: Neu ggü. 2e sind Mönch und Hexenmeister (eine Variante des Magiers). Mit späteren Regelbänden sind auch Klassen wie Ritter, Hexe, Inquisitor, Samurai oder Ninja spielbar. Zum Spielen bestimmter Klassen wie Waldläufer und Paladin werden keine Mindest-Attributwerte mehr benötigt: Jeder Spieler kann jede Klasse beliebig auswählen, wobei Attributswerte die Effektivität eines Charakters in einer Klasse natürlich immer noch massgeblich mitbestimmen. Zum Spiel werden nicht mehr mindestens SLHB, SHB und MHB, sondern nur Grundregelwerk und Monsterhandbuch benötigt. Soweit die mir spontan einfallenden wesentlichsten Unterschiede.

Die Antwort lautet daher: Inhaltlich hat sich an den Monstern deiner Bücher nicht viel geändert, regeltechnisch allerdings viel. Settingbände dürftest du also relativ problemlos weiter verwenden können, Abenteuer müsstest du in grossem Stil anpassen bzw. Gegner austauschen, Regelbände inkl. Monsterbücher der 2e sind seit 3e nur noch als Inspirationsquelle brauchbar oder du machst dir die Mühe einer sehr aufwändigen Konvertierung der Regelwerte.

Wenn du den Wechsel von AD&D zu Pathfinder vollziehen möchtest, gibt es neben den Printausgaben der Regelbände auch die kostengünstigeren PDF-Versionen der Bände im f-shop.

Als Einstieg in Pathfinder empfehle ich allerdings v.a. die Einsteigerbox. Sie enthält bereits mit Einsteigerregeln, Monstern, Würfeln, Abenteuer, Bodenplan und Aufstellern komplett alles, um in Pathfinder hineinzuschnuppern und Charaktere bis zur 5. Stufe zu entwickeln. Auf der Ulisses-Homepage sind noch ein paar kostenlose zusätzliche Abenteuer und Extras als Download zu finden. Und solltet ihr daran Spass finden, ist der Einstieg in die volle Pathfinder-Welt inkl. der Abenteuerpfade nicht mehr weit.

Hauptvorteil der Einsteigerbox ist die übersichtliche Darstellung und behutsame Einführung neuer Regelelemente. Du wirst feststellen, dass Pathfinder mit dem Grundregelwerk ggü. dem dir bekannten AD&D so viele neue Regeloptionen eingeführt hat, dass es mitunter überwältigend sein kann.

LG
Günther


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Beitragvon Günther Kronenberg » Donnerstag 7. November 2013, 23:57

P,S.
Du erwähntest, dass ihr von DSA und Shadowrun her kommt.
Du schriebst leider nicht, welche Sprachversion ihr spielt.

Blackbots Tipps beziehen sich auch auf die englische Version - zumindest S&W gibts sogar nur auf englisch, Pathfinder bekanntlich auch auf deutsch.
Meine Aussagen beziehen sich v.a. auf die deutsche Version, gelten aber natürlich auch für die englische Pathfinderbersion.
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Beitragvon Günther Kronenberg » Freitag 8. November 2013, 00:02

P.P.S. Blackbot: Etwas spitzfindig, aber AD&D und Ur-D&D waren zwei unterschiedliche Spiele. Und zwar welche, die fast 15 Jahre lang als eigenständige Regelsysteme parallel zu einander existierten. Ich würde daher einem früheren AD&Dler als "freie" Alternative nicht S&W, sondern wenn schon, dann eher OSRIC o.ä. anbieten, das die AD&D-Regeln nachbildet. Allerdings ist da die Abenteuerauswahl noch etwas bescheidener.

Auch von der Optik hatte AD&D spätestens mit der 2e deutlich mehr als die überwiegend in s/w erschienenen Ur-D&D-Bände zu bieten. Ich sage nur Elmore! S&W ist auch optisch eindeutig auf Fans des Ur-D&D und weniger auf AD&D-2e-Anhänger zugeschnitten. Ich schätze es sehr, aber für späte AD&D- und erst recht Pathfinder-gewohnte Spieler könnte es optisch ernüchternd sein. Regeltechnisch wird ein AD&D-Spieler in D&D bzw. S&W eh sehr vieles vermissen. Das "A" stand nicht ohne Grund für Advanced.
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Blackbot » Freitag 8. November 2013, 10:55

Der Meister hat gesprochen :mrgreen:

Ich muss zugeben, die Unterschiede zwischen AD&D und D&D waren mir nie so bewusst - als der Kram rauskam, war ich noch für gut 10 Jahre nichtmal in Planung ;)
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Günther Kronenberg » Freitag 8. November 2013, 11:22

Blackbot hat geschrieben:Der Meister hat gesprochen :mrgreen:

Ich muss zugeben, die Unterschiede zwischen AD&D und D&D waren mir nie so bewusst - als der Kram rauskam, war ich noch für gut 10 Jahre nichtmal in Planung ;)


Meine D&D-Spielerfahrung beschränkt sich auch nur auf ein Abenteuer als 12-Jähriger, bei dem mein SC schon in Runde 2 noch vor Betreten des Gewölbes tot und das Spiel aus war. ;)

Ich habe mich dann trotz diesem Erlebnis vier Jahre später auf AD&D 2e eingelassen und dann bis zu Pathfinder jeden Editionswechsel mitgemacht. Generell gesprochen (nehmen wir mal 4e aus*) fügte jede Edition neue Wahlmöglichkeiten hinzu, so dass einige Einschränkungen des Ur-D&D doppelt willkürlich erscheinen. Dafür sind dessen Regeln deutlich kompakter.

Ur-D&D hat sich mir erst in neuerer Zeit mit S&W und den nun als PDF wieder erwerbbaren englischen Ur-Titeln neu erschlossen. Es gibt allerdings sogar Übersetzer in unserem Team, die die Erstvorstellung der ersten deutschen D&D-Box miterlebten. Unser Altersschnitt reicht inzwischen von Anfang 20 bis Ende 40. ;)

EDIT: vor lauter Fachsimpeln scheint uns der Threadstarter abhanden gekommen zu sein... :(

LG
Günther

* 4e versuchte sich an einer Vereinfachung ggü. 3e, leider wieder auf Kosten der Abwärtskompatibilität, was letztlich noch zusätzlich zum Erfolg von Pathfinder beitrug.
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon stebehil » Freitag 8. November 2013, 13:57

Moin, Günther hat alles wesentliche geschrieben. Von AD&D mehr als den Hintergrund zu übernehmen, ist sehr viel Aufwand. Es gab mal einen KOnvertierungsleitfaden von AD&D zu D&D3, wenn der noch irgendwo im Netz rumgeistert, wäre das ein Anhaltspunkt. Aber grundsätzlich lohnt der Aufwand kaum, es ist besser, gleich mit Pathfinder anzufangen. Die Einsteigerbox ist empfehlenswert, ansonsten ist das Regelwerk m.E. nicht übermäßig einsteigerfreundlich und komplex genug, dass ich als alter D&D-Fan immer noch genug damit zu tun habe, es umzusetzen. (Fürs Protokoll: Ich habe 1984 die rote D&D-Basisbox zu Weihnachten bekommen, und seither immer D&D gespielt, ähnlich wie Günther.)
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Re: Wie sehr unterscheidet sich Pathfinder von AD&D?

Beitragvon Der Draughtangel » Freitag 8. November 2013, 15:43

Hallo zusammen – Hier ist der Threadstarter :D

Vielen, vielen Dank, dass ihr so schnell geantwortet habt.
Das hilft mir schon weiter, obwohl ich leider nicht das lesen konnte was ich „hören“ wollte. ;)
Ist wirklich schade, dass der unterschied in den Editionen so groß ist.

@Günther
Wenn du alle Editionswechsel mitgemacht hast dann weißt du sicherlich am besten Bescheid und es geht dir so wie mir bei DSA. Da hab ich auch alle Wechsel mitgemacht. Nur bei DSA kann man schon mit 4.1 Charakteren 2.0 Abenteurer spielen. Damals gabs nur AT/PA; RS und LE und Eigenschaften bei den NSC. Genauso könnte ich ein 4.1 Abenteuer nehmen und mir nur diese Werte raus greifen und nach 2.0 spielen. Das dabei viele „coole moves“ verloren gehen ist ein anderes Thema. Bei einer Charaktererschaffung hat man immer wenn es eine neue Edition gibt mehr Möglichkeiten.

Das das deutsche PRD nicht online ist, ist super nervig. Da könnte ich einfach mal schaun, ob man nicht was umrechnen kann. Was ich bisher herausfinden konnte ist, dass es noch Rettungswürfe, Attribute und Trefferpunkte gibt. Zumindest diese Werte aus einem Monsterkompendium könnte man übernehmen bzw. aus einem Pathfinder Abenteuer für eine AD&D Runde verwenden.

Ich hatte gehofft das würde sich auch auf den ETW0 in Bezug zum GAB und die Rüstklasse zur Rüstungsklasse übertragen lassen. Aber so wies aussieht ist zumindest die Pathfinder Rüstungsklasse auf jeden Fall was anderes. Mehr konnte ich ohne Regelwerk noch nicht herausfinden.

Ich denke ich werde mir das Pathfinder Grundregelwerk mal zulegen oder zumindest ein Pathfinder Abenteurer. Gibt’s da eins was man empfehlen könnte, welches das „alte“ AD&D Feeling gut abbildet? Eine Einsteigerkiste werde ich mir wahrscheinlich nicht kaufen. Die Dinger haben sich für mich als erfahrenen Spieler (Undermountain-Geschädigter der 90er) noch nie wirklich gelohnt.

Über kurz oder lang werden wir wahrscheinlich sowieso auf Pathfinder umsteigen. Die AD&D Zeit ist vorbei und das ist auch in Ordnung, aber den (fast) m³ Spielmaterial in meinem Regal möchte ich einfach nicht wegwerfen. :cry:
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