Ulisses vertreibt den Landser?

Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Nimloth » Donnerstag 3. Januar 2013, 02:45

@Yarlina
Ok gut. Wir scheinen in dieser Hinsicht nur eine unbedeutende Nuance auseinander zu liegen und zwar was die Art der flächendeckenden Aufklärung betrifft.
Und deswegen mach ich jetzt hier diesen Tisch ma' kaputt!
Liste von Leuten deren Kommentare mir sowenig wert sind, dass sie ignoriert werden:
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Cifer » Donnerstag 3. Januar 2013, 02:51

@Yarlina
Erinnert mich ein wenig an den Matheprof eines Kommilitonen, der nach getaner Rumrechnerei von der Tafel zurücktrat und zufrieden meinte "So! jetzt sind wir der Endlösung doch schon nen guten Schritt näher gekommen!"

Ansonsten schließe ich mich in diesem speziellen Beispiel karli absolut an: "Entartete Kunst" hat als zusammengehörender Begriff genau eine Bedeutung und die ist tiefbraun.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon karli » Donnerstag 3. Januar 2013, 03:20

Yarlina hat geschrieben:[...] aber dennoch halte ich es auch hier für unangemessen zwei völlig normale Wörter der deutschen Sprache in einer von den Nazis genutzten Kombination mit einem moralischen Bann zu belegen.


So wie die harmlosen Wörter "Sieg" & "Heil" oder "Führer" & "befiehl"?
Das sind eben nicht nur einfache Wörter, sondern ganz konkrete Inhalte und in dem Zusammnenhang oft genug welche, bei denen man gleich darauf noch über tote Menschen sprechen kann.
Das beste, was man zu Meisners Verteidigung damals anführen konnte war, dass er von zeitgenössischer Kunst keine Ahnung hatte und dachte, er müsse mit seinem biedermeierlich verankerten Weltbild dumm daherplappern.

Es ging mir lediglich darum zu verdeutlichen, dass unser 'Erbe' der Nazizeit einen meiner Ansicht nach zu großen Einfluss auf viele Bereiche unseres Lebens hat, sei es Meinugsfreiheit, Sprache oder Moralvorstellung.


Die Nazis haben ja auch nicht nur anderswo alles zu Klump gehauen, sondern auch hier dafür gesorgt, dass aus einer oftmals bewunderten Kulturnation ein Synomym für industriell durchgeführte Menschenvernichtung wurde. Wenn solche Dinge noch immer nachwirken, dann zeigt das nur, wie gründlich sie waren.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon karli » Donnerstag 3. Januar 2013, 03:26

TeichDragon hat geschrieben:Bestimmte Worte oder Bedeutungen schleifen sich schneller ein, oder wieder ein, als man schauen kann. Oder halt eben mit anderen und/oder harmlosere Bedeutungen.
Die Sprache ist gerade im Zeitalter des Internets einer noch 100fach beschleunigten Änderung unterworfen, als es davor war.


William S. Burroughs behauptet nicht grundlos: language is a virus :)
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Yarlina » Donnerstag 3. Januar 2013, 03:44

Das es Wortkombinationen gibt, die aufgrund der Naziszeit eine festgefahrene Bedeutung haben, ist mir durchaus bewusst und ob das nun die 'entartete Kunst' oder 'Sieg' und 'Heil' sind ist mir dabei zunächst einmal recht gleich.

Meine Ansicht ist eben die, dass es wichtig ist all das aufzuarbeiten und auch den jüngeren Generationen zu vermitteln. Dabei so, jedenfalls sehe ich es (und das ist nur meine ganz persönliche Meinung, die ich niemandem aufzwingen möchte), ist es so, dass wir uns selbst viel zu sehr Restriktionen unterwerfen, die eben auf den Ereignissen dieser Zeit beruhen.

Da sind eben zum einen die Einschränkungen im Sprachgebrauch, da sind zum anderen die Einschränkungen in der Verwendung von Symbolen.

Das Hakenkreuz ist als Symbol deutlich älter als der deutsche Nazionalsozialismus und wurde in vielen Flaggen bzw. Wappen genutzt. Dennoch ist es heute aufgrund einer Ideologie mehr oder weniger verpöhnt und in Deutschland sogar verboten.

Auch in Sachen Hitlergruß kann man es wie ich finde übertreiben, siehe: http://kompakt-nachrichten.de/wp-conten ... 00x256.jpg

Ich kenne Leute, die Frau Wulf aufgrund dieser Aufnahme ernsthaft als Nazischlampe bezeichnet haben.

Ich gehe in meiner Auffassung von Meinungsfreiheit eben sehr viel weiter, als es in Deutschland für gewöhnlich der Fall ist und bin der Ansicht, dass es einen Punkt gibt, an dem Wachsamkeit in Schizophrenie umschlägt. Und meiner persönlichen Ansicht nach, haben wir diesen Punkt in Deutschland längst überschritten.




Aber um nochmal auf den eigentlichen Inhalt des Threads einzugehen:

Ich warte gespannt auf die Stellungnahme von Ulisses, einfach um zu erfahren, wie es so gekommen ist, wie es ist und werde unabhängig von dieser weiterhin DSA Produkte beziehen, sowohl über den F-Shop, als auch über den Einzelhandel.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon karli » Donnerstag 3. Januar 2013, 03:59

Yarlina hat geschrieben:Das Hakenkreuz ist als Symbol deutlich älter als der deutsche Nazionalsozialismus und wurde in vielen Flaggen bzw. Wappen genutzt. Dennoch ist es heute aufgrund einer Ideologie mehr oder weniger verpöhnt und in Deutschland sogar verboten.


Dasselbe gilt auch für die Namen Hitler, Himmler und Göring und dennoch hätte jemand mit dem Namen Adolf Hitler (mit einem gewissen Recht) ganz schlechte Chancen, Bundeskanzler zu werden. Empfindest du das auch als unnötige Restriktion?
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Anacarn » Donnerstag 3. Januar 2013, 09:06

Also zusammengefasst, Ulisses vertreibt den Landser neben einer Vielzahl anderer Produkte, eine Gruppe möchte gar keine Ulisses-Produkte mehr kaufen (was mit dem Vertrieb weniger zu tun hat...), eine Gruppe fordert Ulisses auf, den Landser aus dem Programm zu nehmen, einer anderen Gruppe ist es egal, bzw. ergeht die Ansage, das alles nicht so eng zu sehen. Und den Perry-Rhodan-Lesern ist sowieso alles ganz egal (die Welt ist so richtig schön und bunt).

Als Konsument habe ich durchaus die Möglichkeit, durch mein Kaufverhalten oder Beschwerden "political correctness" herbeizuführen - verpflichtet ist man natürlich nicht. Dennoch sollte man auch einerseits realistisch und andererseits konsequent sein. Will man jetzt an jeder Ecke überprüfen, ob der Landser im Regal steht oder im Programm/ Vertrieb ist? Meidet man dann den Kiosk nebenan, den Supermarkt, amazon, den Verlag mit allen Zeitschriften? Oder regt man sich ausschließlich über Ulisses in Fanforen auf und betreibt damit beliebig-einseitiges und daher mMn wenig ernstzunehmendes Protest-Bashing?

Persönlich habe ich mich entschieden, allgemein Rechtsextremismus oder besser jedweden Extremismus da anzuprangern, wo es sinnvoll ist (u.a. aktive Mitgliedschaft bei amnesty international). Auf die Idee, einen lediglich vertreibenden Rollenspielverlag zu boykottieren, bin ich noch nicht gekommen. Aus meiner Sicht wird hier mit einer Mordskanone auf den Spatz geschossen.

Hauptverantwortlicher ist der Pawel-Moewig-Verlag, aus dessen Verlagsprogramm ich erinnerlich lediglich die PR-Hefte gekauft habe. Ansonsten halte ich die ganze Produktreihe für überflüssigen Schund. Insofern boykottiere ich - unbewusst - den Verlag ohnehin schon. Wenn hier jemand die Protestwelle anrührt, sollte er viel eher den Verlag anschreiben - und mich würde interessieren, wie viele das bereits getan haben, die hier auf Ulisses einprügeln.

Meine Familie hat den Holocaust nur überlebt (und das ist kein Witz), weil die Nazis den Ort Kana für eine Kleinstadt im Ruhrgebiet gehalten haben. Nebenlinien wurden leider völlig ausgelöscht. Ich habe also allen Grund, auf alles Rechte höchst allergisch zu reagieren, und das tue ich auch. Die Paranoia hier mit extrovertierter Betroffenheits-Show kann ich dennoch nicht ansatzweise teilen. Nochmal, wenn, dann beschwert euch vor allem bei dem Pawel-Moewig-Verlag.

Von Ulisses würde ich mir gleichwohl wünschen, das eigene Bewusstsein zu prüfen und auch, was man gegen die Verbreitung von Kriegsverherrlichung und Propagierung lächerlich-überkommener Feindbilder tun kann - d.h., den Landser aus dem Vertriebsprogramm zu schmeißen (was ein überzeugendes Zeichen setzen würde). Ich verweise nur mal auf die Landser-Sonderausgabe: "Kampf dem Feind". Titel und Inhalt sind so anachronistisch wie eine Steinigung, und ein jeder, der seit der Aufklärung mitgedacht hat, sollte sich von derartigem Gedankengut weitestmöglich distanzieren. Um einen berühmten Literaten zu zitieren: "So viel kann ich nicht fressen, wie ich kotzen möchte."

Unabhängig davon kaufe ich weiter Ulisses-Produkte, weil meine persönliche Frage der Wertschätzung anderer nicht so weit geht, den nicht Landser-produzierenden Verlag Ulisses mit Pawel-Moewig gleichzusetzen. Das wäre aus meiner Sicht Übertreibung. Was die Übertreibung aber gebracht hat, das Problem ins Bewusstsein auch für Ulisses zu rücken - denke ich jedenfalls.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Andre.Wiesler » Donnerstag 3. Januar 2013, 09:51

Nachdem 2012 ja in Sachen Weltuntergang eher enttäuschend verlaufen ist, freue ich mich jetzt, euch ein frohes Neues Jahr 2013 wünschen zu können. Ab heute ist das Ulisses-Team wieder vollzählig am Start und ich hatte Gelegenheit, die Heftromansache zu besprechen. Hier das Ergebnis meiner internen Erkundigungen:

Die Inhaber von Ulisses Spiele sind große Fans von Perry Rhodan und haben sich darum sehr gefreut, als sich in Gesprächen mit Pabel Moewig die Gelegenheit geboten hat, die Atlan-Reihe ins Haus Ulisses zu holen. Von Pabel Moewig wurde dieser Vertragsabschluss an die Übernahme des sogenannten Nachverkaufsvertriebs verschiedener Heftromanreihen aus dem Hause Pabel Moewig gekoppelt. An der Erstellung, Produktion oder dem normalen Vertrieb der Heftreihen sind wir nicht beteiligt.

Bereits vor mehreren Wochen wurde die Entscheidung getroffen, die Kooperation bezüglich der Heftromane zu beenden. Aufgrund der Vertragsbedingungen wird dies voraussichtlich im April 2013 der Fall sein. Ab diesem Zeitpunkt werden die Pabel-Moewig-Heftromane dann nicht mehr über ulisses-universe zu beziehen sein.

Ich möchte zudem noch mal deutlich betonen, dass wir uns von jeder Art von radikalem oder radikalisierendem Gedankengut aufs Deutlichste distanzieren.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Sassi » Donnerstag 3. Januar 2013, 10:36

karli hat geschrieben:
Yarlina hat geschrieben:Oder man denke nur an die Äußerungen eines deutschen Bischoffs zur 'entarteten Kunst' und den Aufschrei, den die Verwendung des Wortes 'entartet' ausgelöst hat...


Völlig berechtigt, denn wie dir offenbar nicht bekannt ist, gehört das Begriffspaar entartet+Kunst=entartete Kunst zusammen. Das sind keine separaten Wörter in diesem Zusammenhang. Das damalige Regime veranstaltete eigens eine Wanderausstellung mit Bildern, die es als "entartet" bzw als Werk geistig gestörter Künstler ansah. Einher gingen damit Berufsverbote, Vertreibung, Flucht ins Exil, ja sogar Ermordung solcher gebrandmarkter Künstler. Diese Barbarei, in deren Zug Tausende von Gemälden zerstört wurden, machte übrigens nicht bei der Malerei halt, sondern erstreckte sich auf so ziemlich jede Form halbwegs moderner Kunst. Die deutsche Malerei - und noch viel schlimmer die damals als wegweisend angesehene deutsche Filmkunst - brauchte Jahrzehnte, um sich von diesem Kahlschlag zu erholen.
Solche Sachen darf man als Kardinal durchaus wissen.


Da muss ich als forenübergreifender Katholizismus-Apologet uneingeschränkt zustimmen ... Ich weiß noch sehr genasu, wie Lehmann (vorsitzender der DBK damals) am nächsten Tage bei der Pressekonferenz ausgesehen hat, dem konnte man den Wutanfall über Meißner am Nachmittag davor deutlich im gesicht ansehen, und der Mann ist eigentlich ziemlich ruhig ...

karli hat geschrieben:Das beste, was man zu Meisners Verteidigung damals anführen konnte war, dass er von zeitgenössischer Kunst keine Ahnung hatte und dachte, er müsse mit seinem biedermeierlich verankerten Weltbild dumm daherplappern.


Exakt.
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Re: Ulisses vertreibt den Landser?

Beitragvon Sassi » Donnerstag 3. Januar 2013, 10:40

Andre.Wiesler hat geschrieben:Nachdem 2012 ja in Sachen Weltuntergang eher enttäuschend verlaufen ist, freue ich mich jetzt, euch ein frohes Neues Jahr 2013 wünschen zu können. Ab heute ist das Ulisses-Team wieder vollzählig am Start und ich hatte Gelegenheit, die Heftromansache zu besprechen. Hier das Ergebnis meiner internen Erkundigungen:

Die Inhaber von Ulisses Spiele sind große Fans von Perry Rhodan und haben sich darum sehr gefreut, als sich in Gesprächen mit Pabel Moewig die Gelegenheit geboten hat, die Atlan-Reihe ins Haus Ulisses zu holen. Von Pabel Moewig wurde dieser Vertragsabschluss an die Übernahme des sogenannten Nachverkaufsvertriebs verschiedener Heftromanreihen aus dem Hause Pabel Moewig gekoppelt. An der Erstellung, Produktion oder dem normalen Vertrieb der Heftreihen sind wir nicht beteiligt.

Bereits vor mehreren Wochen wurde die Entscheidung getroffen, die Kooperation bezüglich der Heftromane zu beenden. Aufgrund der Vertragsbedingungen wird dies voraussichtlich im April 2013 der Fall sein. Ab diesem Zeitpunkt werden die Pabel-Moewig-Heftromane dann nicht mehr über ulisses-universe zu beziehen sein.

Ich möchte zudem noch mal deutlich betonen, dass wir uns von jeder Art von radikalem oder radikalisierendem Gedankengut aufs Deutlichste distanzieren.


Vielen Dank für die in Anbetracht des Datums doch recht schnelle Reaktion. Das freut mich und klingt gut.
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