Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon Bernard Craw » Dienstag 4. Dezember 2012, 15:14

Soeben konnte Zorn die Abstimmung zur Seraph-Buchpreisnominierung gewinnen, die im Ulisses-Forum durchgeführt wurde. Das möchte ich zum Anlass nehmen, um mit Euch ein wenig über die Andurienkriege zu diskutieren. Dabei interessiert mich sowohl, was Ihr zu den ersten beiden Bänden, Präludium und Zorn, zu sagen habt, als auch, was Ihr Euch für mögliche Folgebände wünscht.

Als ich 2008 die Andurienkriege konzipierte, schwebte mir ein großer Zyklus im BattleTech-Universum vor, der aber nicht die gesamte Innere Sphäre als Handlungsschauplatz hat, sondern auf einen etwas kleineren Bereich fokussiert, damit die Handlungsstränge innerhalb dieses Zyklus genug Überschneidungen haben und die Gesamtgeschichte zu einem dichten Netz wird. Mit dem Quellenbuch Brush Wars wurde mir dabei eine Steilvorlage geliefert, weil hier die Andurienkriege der Jahre 3030 - 3040 beschrieben sind. Ich skizzierte verschiedene Handlungsfäden und entwickelte folgende Idee für die Struktur des Zyklus':
- In einem einleitenden Band (dieser ist Anfang des Jahres als Andurienkriege 1: Präludium erschienen) wollte ich den Leser mit dem Hintergrund vertraut machen, die wesentlichen Figuren einführen und die Haupthandlungsstränge lostreten. Mit Präludium wird gewissermaßen der Acker gepflügt, sodass das Feld für die anderen Romane bereitet ist. Präludium ist so etwas wie das Sprungschiff, die anderen Romane sind dagegen wie die Landungsschiffe, die Präludium zur Vorbereitung brauchen. Der Preis, den dieses Konzept erfordert, ist ein vergleichsweise schwacher Spannungsbogen in Präludium. Es gibt nicht die eine, durchgängige Handlung, der man folgt und die zu einem summierenden Abschluss gebracht wird, dafür allerdings sehr viele kleine Handlungen, wie ein Mosaik. Manche Motive bleiben fragmentarisch. Ich habe versucht, das zu entschärfen, indem ich wenigstens einige Sub-Plots vollständig erzählt habe, etwa die Death-Commando-Ausbildung, die Geschehnisse um die Aerospace School oder die andurianische Unabhängigkeitserklärung.
- Die Folgebände sollten dann auf Präludium aufsetzen, untereinander aber nur locker verbunden und unabhängig voneinander lesbar sein. Die Bücher sollen daher alle chronologisch nach Präludium spielen, davon abgesehen aber nicht notwendigerweise chronologisch aufeinander folgen. Zorn ist das erste dieser Bücher, es beschreibt den kompletten Feldzug der Andurianer auf Grand Base. Hauptmotiv ist dabei die Frage, wie die Invasion eines ganzen Planeten abläuft. Aus der Realität wissen wir, dass es schon kaum machbar ist, vergleichsweise kleine Länder wie den Irak oder Afghanistan zu "befrieden" - vor welchen Schwierigkeiten muss man dann stehen, wenn es um einen ganzen Planeten geht, dazu noch eine Hauptwelt des Gegners?

Präludium und Zorn sind nun erschienen, einige Rezensionen wurden geschrieben und ich denke, inzwischen haben genug Leute die Bücher gelesen, sodass wir nun darüber diskutieren können, welche Elemente Euch besonders gut oder auch nicht so sehr gefallen haben, wovon Ihr mehr wollt und wo Ihr sagt: "Danke, reicht."

Wie es mit dem Zyklus weitergeht, ist noch vollkommen offen. Es gibt noch nicht einmal Exposés, geschweige denn Manuskripte. Alles, was existiert, sind meine Notizen zu den Handlungsfäden des Zyklus'. Hier ein paar Schlaglichter zu Folgebänden (analog zu Zorn), die ich mir gut vorstellen kann:
- Gier: Ein Blick in das Magistrat Canopus. Die Koordination der canopischen Truppen mit denen des Herzogtums Andurien, der Verlauf eines ausgewählten Feldzugs der Canopier (Hauptquelle natürlich Brush Wars). Schilderung der canopischen Gesellschaft: Brutal kapitalistisch (Plutokratie), tendenziell matriarchalisch, vergnügungssüchtig, aber in vielen Bereichen, etwa der Medizin, auch sehr fortschrittlich - ein Hauch von CyberPunk. Hauptfiguren: Emma Centrella und Richard Humphreys, der mit dieser verheiratet werden soll.
- Hass: Der Kampf um Beteigeuze, dadurch ein Wiedersehen mit Kriegerhaus Kamata aus Karma. Hier sind sehr viele Einheiten involviert, auch Söldner bis hin zur legendären MacCarron's Armored Cavalry. Eine klassische BattleTech-Geschichte, bei der Gefechte im Mittelpunkt stehen. Vielleicht angereichert durch ein paar Underdogs von einer verzweifelten Söldnereinheit, für die die Andurienkriege die letzte Chance sind, dem Bankrott und der Söldneraufsichtsbehörde ("ComStar Mercenary Review Board") zu entkommen.
- Asche: Walter Kemben auf den Spuren der Aschehexe. Der Kult infiltriert das Herzogtum Andurien, was die Wehrkraft schwächt, daher sind auch andurianische Agenten an seiner Zerschlagung interessiert. Auch Mech-Einheiten sind betroffen. Dieses Buch hätte ein bisschen etwas von einem Noir-, vielleicht sogar einem Okkult-Thriller. Nota Bene: Dennoch bleibt es ein BattleTech-Roman, bei dem das typische BattleTech-Flair dominiert.
- Der lange Weg zur Front: Bei Kriegsausbruch sind die 5th Defenders ("Royal Purple") im terranahen Raum fern der Heimat stationiert. Natürlich machen sie sich sofort auf den Heimweg, aber dafür müssen sie die halbe Liga durchqueren. Dabei ist diplomatisches Geschick gefragt, schließlich will man sich nicht den Weg freischießen und dabei aufreiben, bevor man überhaupt beim eigentlichen Gegner angelangt. Dennoch werden sich Konflikte nicht gänzlich vermeiden lassen.
- Die Fänge des Adlers: Ein Diplomaten-, vielleicht auch ein Spionageroman. Es geht um die Verhandlungen hinter den Kulissen, auf Atreus etc. Hauptfiguren sind Conrad Humphreys, der für Xanthe im Ligaparlament sitzt, und Moniqua Denez, die Reporterin von Lopez aus Präludium. Natürlich wird es auch hier BattleMech-Gefechte geben, aber vermutlich nicht im großen Stil - eher im Sinne von "Terroristen verüben ein Attentat und die Mechs der Palastgarde müssen die Parlamentarier schützen", etwas in der Art. Dazu noch Verstrickungen aus "Interstellar Players", die in Präludium durch den Auftritt der Selaj-Familie grundgelegt sind.
- Bei Der lange Weg zur Front und Die Fänge des Adlers stellt sich die weitergehende Frage, ob man sich auf den Zeitraum 3030-3035 beschränkt oder schon in den zweiten Teil des Konflikts vordringt, also die "Disziplinierung" Anduriens durch die Liga. Das wäre interessant, würde diese beiden aber zu Büchern "für später" machen.

Also - noch ist alles offen. Wenn wir (Leser, Verlag, Autor) zu dem Schluss kommen: "Mit den Andurienkriegen ist es jetzt gut gewesen", dann bleibt es bei Präludium und Zorn. Wenn wir sagen: "Da ist noch eine Menge drin", dann kann man sehr viel machen. Da alles noch in der Schwebe ist, wird das zwar etwas dauern (ich sage mal: Vor 2014 steht da nichts in den Regalen), aber dafür hat man auch die Möglichkeit, sich zu wünschen, in welche Richtung es gehen soll. Ich kann nicht versprechen, dass ich allen Erwartungen gerecht werde, aber ich bin sehr gespannt darauf, mit Euch ins Gespräch zu kommen: Was gefällt Euch? Wovon wollt Ihr mehr lesen? Welche der Skizzen oben interessiert Euch besonders? ...?
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon xamos » Dienstag 4. Dezember 2012, 16:03

Es freut mich zu lesen, dass Du noch soviel Ideen hast und dem Andurienkonflikt genug Raum und Zeit einräumst. Ich finde es toll, nicht zu hetzen, alles von verschiedenen Seiten und Fraktionen zu beleuchten, alle Aspekte des Battletech-Universums mit einzubringen. Das braucht natürlich mehr als 2 Romane oder eine Trilogie. Wenn ich entscheiden könnte, dürftest Du alle geplanten Bücher zu Papier bringen. Gerade im Classic BattleTech wurde so vieles noch nicht geschrieben, so viele Geschichten noch nicht erzählt. Und es sollte sich auch nicht immer nur um die großen Sternenreiche handeln, auch etwas abseits wartet Material für spannende Romane, das hast Du ja bereits eindrucksvoll (oder eher ausdrucksvoll) bewiesen.

Sehr neugierig wäre ich auf "Asche", der Kult ist einfach zu seltsam und ich will wissen, wohin die Reise geht, was mit der Aschehexe noch passiert.
Auch "Der lange Weg nach Hause" reizt mich, denn dort werden die 5. Defenders Protagonisten sein, eine Einheit, welche ich selbst schon in "Bruderkampf" auftreten lies. Ob sich unsere Interpretationen gleichen werden?

Wie schön, dass wir nun endlich einen deutschen Autor haben, der sich für Battletech begeistert, dies selbst spielt, das System voranbringen möchte und einen derart intensiven Austausch mit den Fans pflegt.

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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon DarkISI » Dienstag 4. Dezember 2012, 16:14

xamos hat geschrieben:Wie schön, dass wir nun endlich einen deutschen Autor haben, der sich für Battletech begeistert, dies selbst spielt, das System voranbringen möchte und einen derart intensiven Austausch mit den Fans pflegt.


Hey, gibt noch mehr deutsche Autoren die sich dafür qualifizieren. Nur schreibt der Großteil von uns direkt für CGL und nicht für Ulisses. ;)
Wobei ich sagen muss, dass ein ganzer Roman erfahrungsgemäß schon eine ganze Ecke mehr erfordert als Texte für Sourcebooks. Eigentlich müsste ich mal schauen, ob ich mich nicht auch mal an einem deutschen BT-Roman versuche (sobald ich den fertig hab, an dem ich derzeit schreibe, der allerdings nichts mit BT zu tun hat ;))...
Was muss man denn dafür tun, damit Ulisses einem die Chance gibt? :)
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon wolftech » Donnerstag 6. Dezember 2012, 08:02

Ich muss zugeben, dass mir Präludium zum damaligen Zeitpunkt sehr langatmig vorkam. Und ich habe auch recht lange dazu benötigt, ihn durchzulesen. Im Nachhinein wird aber klar, warum dieser Roman so ist, wie er ist - wenn man weiß, dass er als Einleitung für ein Epos gedacht ist und mit diesem Hintergrund finde ich diese Einführung generell gelungen. Vielleicht wäre es besser gewesen, diesem Roman auch genau diese Info mitzugeben.
Bei Zorn dagegen kam richtig Fahrt auf und das Buch hat mir wirklich gut gefallen. Weiter so...

Und genau das sehe ich das Problem:
Wenn ich einen solchen Einführungsband lese, erwarte ich auch das dazugehörige Epos.
Ich denke da an "Saga der Sieben Sonnen" von Kevin J. Anderson oder "Düsterer Ruhm" von Michael A. Stackpole.
D.h. es passt nicht, wenn nach einer so ausführlichen Einleitung die Handlung bereits nach ein oder zwei Bänden abgeschlossen sein soll - also quasi die Einleitung länger ist, als die spätere Handlung.
Daher finde ich es auch suboptimal, das man sich erst jetzt Gedanken macht, ob man dieses "Epos" eigentlich veröffentlicht! Es kann ja sein, dass dies so gängige Praxis ist?!
Aber für mich ist das unbefriedigend und reiht sich in die Bücher der unvollendeten Clangründer-Trilogie. Ich habe also das Gefühl, dass hier schon wieder etwas nicht zum Abschluss gebracht wird :-(

Von den oben genannten Romanen würde mich am ehesten Hass und Asche ansprechen... was mir aber noch mehr fehlt ist ein Roman ("Erntet was ihr säät"?) über die Gegenoffensive der Capellaner, oder habe ich das oben überlesen?

An Deinen Büchern habe ich also eigentlich nichts auszusetzen - nur über die Politik ein Epos zu starten und dann aber die Zukunft desselben in den Sternen stehen zu lassen. Die Veröffentlichung von einem Roman wie Präludium ergibt für mich nur dann Sinn, wenn mindestens 3 Folgeromane erscheinen - eigentlich erfordert dies sogar alle der von Dir erwähnten Buchvorschläge. Daher kann ich nur an den Verlag appelieren, das fortzusetzen, was man angefangen hat.
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon Bernard Craw » Donnerstag 6. Dezember 2012, 08:37

wolftech hat geschrieben:Im Nachhinein wird aber klar, warum dieser Roman so ist, wie er ist - wenn man weiß, dass er als Einleitung für ein Epos gedacht ist und mit diesem Hintergrund finde ich diese Einführung generell gelungen. Vielleicht wäre es besser gewesen, diesem Roman auch genau diese Info mitzugeben.

Genau das hat der Lektor auch gesagt, ich erinnere mich an dieses Telefonat. Auf seinen Vorschlag hin kam dann die Seite 424 ins Buch, wo der Leser darauf hingewiesen wird, dass die Handlung in Zorn weitergeführt wird. Mehr haben wir uns nicht getraut, weil wir ja nicht wussten, ob mehr als 2 Bände in diesem Setting in der Leserschaft gewünscht sind.

wolftech hat geschrieben:Daher finde ich es auch suboptimal, das man sich erst jetzt Gedanken macht, ob man dieses "Epos" eigentlich veröffentlicht! Es kann ja sein, dass dies so gängige Praxis ist?!


Ich verstehe Deinen Punkt, und natürlich habe ich selbst ein großes Interesse daran, die Reihe fortzusetzen. Es ist auch nicht so, dass man sich jetzt erst Gedanken macht - das mache ich seit 2008 (als ich die Sache konzipierte) und der Verlag seit Anfang 2011 (als wir den Vertrag schlossen). Es ist nur so, dass die Entscheidung nicht war (und rational auch nicht sein konnte): "Wir machen einen Zyklus mit 12 Bänden - 6 über den Angriff auf die Konföderation Capella und danach 6 über die Disziplinierung Anduriens durch die Liga." Die Situation war ja die, dass BattleTech seit einigen Jahren brach lag. Da muss man sich als Verlag und Autor fragen: Gibt es die Fans überhaupt noch, oder lesen die inzwischen lieber andere Sachen? Können wir die erreichen? Und wollen die gern Geschichten um 3030 - 3040 lesen, die nicht im terranahen Raum spielen - ohne Kuritas, Steiners, Davions geschweige denn Clans? Können wir damit vielleicht sogar neue Leser gewinnen? - Inzwischen hat die Seraph-Abstimmung mit Zorn als Gewinner gezeigt, dass die Fanbase lebt. Das konnten wir Anfang 2011 zwar hoffen, aber nicht wissen. Also haben wir damals gemeinsam beschlossen, zunächst die ersten beiden Bände zu machen, mit der Option und durchaus auch der Absicht, den Zyklus dann fortzuführen. Nur kann man sich da aus ökonomischer Klugheit nicht vom Wunschdenken leiten lassen - sonst produziert man 12 Bücher vor, von denen die Leserschaft dann (im schlimmsten Fall) nur 2 haben möchte.
Dieses Vorgehen ist auch bei Großverlagen durchaus üblich, aber wahrscheinlich für die Leserschaft nicht so gut sichtbar. Das liegt daran, dass die Zyklen, die man kennt, logischerweise die weit verbreiteten sind, damit die erfolgreichen = diejenigen, die zuende geführt werden. Aber denk nur mal an MWDA bei Heyne - auch da gingen die Lichter aus, nicht, weil der Stoff nicht mehr dagewesen wäre, sondern weil einfach der Anklang nicht mehr in dem Maße gegeben war, wie ein Großverlag ihn gebraucht hätte.

wolftech hat geschrieben:was mir aber noch mehr fehlt ist ein Roman ("Erntet was ihr säät"?) über die Gegenoffensive der Capellaner

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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon wolftech » Freitag 7. Dezember 2012, 10:50

Aus ökonomischer SIcht sicherlich nachvollziehbar.
Aber wenn man schauen möchte, ob die Fanbase lebt, muss man dies ja auch nicht mit dem Start eines mehrbändigen Zyklus tun.
D.h. Fanbase prüfen - wenn vorhanden, dann Zyklus starten... es müssen ja auch keine zwölf Bände sein ;-)
Ich persönlich lese gerne Geschichten aus allen Fraktionen der IS und der Clans.

Vielleicht sehe ich dass zu naiv - ich sehe das auch nicht als Dein Versäumnis, sondern vom Verlag vielleicht nicht bis zum Ende gedacht.
Gerade die Diskussion um die Unvollendete Clangründer-Trilogie sollte dort bekannt gewesen sein.

Allerdings weiß ich auch nicht, ob Du auch eine andere einbändige Geschichte zur Verfügung gehabt hättest - oder vielleicht andere Autoren?
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon Bernard Craw » Freitag 7. Dezember 2012, 11:26

wolftech hat geschrieben:Allerdings weiß ich auch nicht, ob Du auch eine andere einbändige Geschichte zur Verfügung gehabt hättest - oder vielleicht andere Autoren?


Um diese Frage richtig zu beantworten, muss ich etwas ausholen und auf meinen schriftstellerischen Werdegang eingehen.
Meine erste Kurzgeschichte habe ich ca. 1988 in einem kostenlosen Fan-Magazin veröffentlicht. Das hat sich dann gesteigert zu längeren Erzählungen und einem Fan-Roman, danach ein Vampir-Thriller in einem Mini-Verlag (2005) und schließlich zu Karma (2007). In dieser Zeit habe ich aber außer dem Schreiben auch ein "richtiges Leben in der arbeitenden Bevölkerung" aufgebaut. Ich habe studiert und einen ganz normalen Beruf ergriffen, in dem ich auch Vollzeit gearbeitet habe. Wie bei den allermeisten Schriftstellern war die Schriftstellerei bei mir ein Nebenberuf. Das Geld, das ich dafür bekommen habe, habe ich gern genommen, aber ich war nie darauf angewiesen, um meine Miete zu zahlen.
Worauf ich hinaus will: Diese Überlegungen mit "Was kann ich wie verkaufen" waren zwar interessant, aber nicht dominant. Ich habe die Sachen geschrieben, die ich schreiben wollte. Als 2007 Karma raus war, wollte ich mich an einem Zyklus probieren, primär deshalb, weil ich das noch nie gemacht hatte. Die Andurianer waren mir ans Herz gewachsen, und dann kam Brush Wars. Die Andurienkriege haben mich interessiert, also habe ich den Zyklus entsprechend konzipiert und angefangen zu schreiben.
Relativ früh in dieser Phase kam von Fanpro die Nachricht, dass die BattleTech-Lizenz nicht fortgeführt wurde.
Da hatte mich die Geschichte aber schon gepackt und ich habe immer weiter geschrieben. Fast alle Szenen, die ich damals verfasste, sind inzwischen (in 2011 überarbeiteter Form) in Präludium und Zorn gelandet, aber als ich sie schrieb, stellte sich die Frage nach der Veröffentlichung überhaupt nicht. Ich hatte keinen Ansprechpartner, um hier Möglichkeiten zu sondieren, weil es keinen Verlag gab, der die deutsche Lizenz hatte. Ich habe die Geschichten trotzdem geschrieben, weil sie mich einfach interessierten.
Danach lagen sie dann ein paar Jahre auf der Festplatte.
Als Ulisses die Romanreihe zu Das schwarze Auge übernahm, lag ich den Leuten dort bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in den Ohren, dass man sich doch auch um BattleTech bemühen könne. Wie viel Einfluss das hatte, weiß ich nicht, aber irgendwann kam dann die Nachricht: "Jawohl, das machen wir!" Dazu muss man wissen, dass auch Ulisses von viel Fan-Begeisterung durchdrungen ist - soweit ich weiß, kommen alle, die dort arbeiten, aus dem Fandom, und da ist BattleTech natürlich ein Begriff. Sicher wird man auch den Markt abgeschätzt haben, aber letztlich war es wohl sowohl beim Verlag als auch bei mir einfach die Vision: "Wäre doch super, wenn wir BattleTech wieder aufziehen könnten!" Wie genau man das am besten macht, kann man erst hinterher wissen, denke ich. Das ist eben so, wenn man ins Unbekannte aufbricht. Mag sein, dass Einzelromane gefragter sind. Mag aber auch sein, dass gerade Zyklen einschlagen. Und da ich zwei Rohfassungen zu meinem Zyklus hatte, habe ich die natürlich angepriesen, und der Verlag hat sich von meiner Begeisterung anstecken lassen und gesagt: "Das probieren wir jetzt aus!" Genau an diesem Punkt stehen wir heute.

Vor diesem Hintergrund meine Antwort auf die Frage:
- Ich hatte keine einbändige Geschichte, die annähernd so weit gediehen gewesen wäre wie die Andurienkriege
- Ich weiß, dass Arous Brocken Manuskripte hatte, die sehr weit waren, aber die gehören nach meiner Kenntnis zum Bear-Zyklus, sind also auch nicht eigenständig (ich hoffe, dass Erster Kontrakt die Fortsetzung des Bear-Zyklus ist, weiß es aber nicht sicher)
- Von anderen Autoren und Manuskripten habe ich keine Kenntnis. Offensichtlich hatte Reinhold etwas (Wiege der Basilisken). Ich weiß auch von einigen Autorenkollegen, die BattleTech als Leser verfolgt haben und gern selbst etwas beitragen würden - aber wie weit das gediehen ist, weiß ich nicht. Wegen der vor 2011 fehlenden Lizenz vermute ich aber, dass niemand etwas hatte, was vergleichbar weit im Entstehungsprozess war wie die Sachen von Reinhold, Arous und mir.

wolftech hat geschrieben:Vielleicht sehe ich dass zu naiv - ich sehe das auch nicht als Dein Versäumnis, sondern vom Verlag vielleicht nicht bis zum Ende gedacht.
Gerade die Diskussion um die Unvollendete Clangründer-Trilogie sollte dort bekannt gewesen sein.

Das ist sie bestimmt, und die Verträge mit Ulisses sind in dieser Hinsicht sehr im Sinne der Fanbase formuliert. Wenn die Andurienkriege Anklang finden, werden sie sicher nicht deswegen eingestellt, weil der Autor (in diesem Fall ich) eventuell die Lust verliert. Alles, was ich in das BattleTech-Univerum eingebracht habe, gehört soweit rechtlich überhaupt möglich Ulisses. Das bedeutet: Wenn es hart auf hart kommt, kann Ulisses auch andere Autoren bitten, den Zyklus zuende zu bringen. Das Risiko "Autor springt ab" wurde also eliminiert.
Die Fortführung hängt also, soweit ich erkennen kann, tatsächlich allein davon ab, ob Ihr als Fans das wollt (und sich eine entsprechende Nachfrage in Form von Abverkäufen realisiert) oder ob Ihr eben lieber andere Geschichten lest.
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon wolftech » Freitag 7. Dezember 2012, 13:48

Als ich muss mich nun wirklich auch mal bei Dir bedanken - danke für die ausführlichen Einblicke.
So ein sachlicher Austausch macht Spass und sollte auch für andere ein Anreiz sein :-)

Dann bin ich mal gespannt, wie es mit den BT-Büchern weitergeht und wünsche mir natürlich auch bald Nachschub für Deinen Andurien-Zyklus... bis 2014 ist es ja nicht mehr sooo lange ;)
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon DarkISI » Dienstag 8. Januar 2013, 16:57

Wusstet ihr eigentlich schon, dass Bernard morgen eine Lesung aus Zorn hält?
http://hpgstation.de/?p=3122

19:15 Uhr im Hiveworld (Mauritiussteinweg 96, Köln)
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Re: Die Andurienkriege - wie geht's weiter?

Beitragvon Frabby » Mittwoch 6. November 2013, 21:24

Um den Thread mal aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken: Gibt's was neues?
Die jüngste Ankündigung für einen neuen (also nicht übersetzten) BT-Roman war ja, daß "Sturm auf Arc-Royal" jetzt doch nicht nur als PDF erscheinen soll. Und danach? Geht die Andurien-Reihe weiter?
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