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Nov102012

Gareth – Grundrisse und Bodenpläne: Ein Interview mit Zeichner Daniel Jödemann

Die Arbeiten an der großen Settingbox Gareth – Kaiserstadt des Mittelreichs. sind abgeschlossen und die Druckerpressen rollen emsig.
Die Gareth-Box zeigt die größte Stadt Aventuriens in all ihren Facetten und bietet etliche Pläne und Grundrisse zu gleichermaßen prachtvollen (Villen, Tempel, Bank, Stadttor) wie auch zweifelhaften (Mietskaserne, Dungeons, Ruinen) Orten. Um euch die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, hat Bandredakteur Anton Weste Illustrator Daniel Joedemann befragt, der sich für die meisten der Karten und Pläne in der Box verantwortlich zeichnet (no pun intended!), und mit ihm über die Entstehung der Zeichnungen gesprochen.

Daniel Jödemann ist gelernter Gestaltungstechnischer Assistent für Produktdesign und hat danach ein Architekturstudium begonnen (aber nicht abgeschlossen). Seit 2005 ist er für Das Schwarze Auge als Autor tätig und hat außerdem Aventurien mit drei Romanen lebendig werden lassen. Ebenfalls 2005 begann er als Illustrator (Talentspezialisierung: Pläne zeichnen) für Das Schwarze Auge zu zeichnen und bis heute hat Daniel an rund 30 Publikationen mitgewirkt. Nahezu 100 Karten und Pläne stammen inzwischen aus seiner Zeichenfeder, darunter auch der Großteil der Pläne für die neue Gareth-Box.


AW: Daniel, was verbindest du mit der Kaiserstadt Gareth?

DJ: Vor allem die Rolle Gareths in den meisten meiner Spielrunden: Als zentral gelegener Heimathafen für Heldengruppen – die Metropole schlechthin, die alles hat und wo man alles findet. Da ist es auch nur angemessen, dass die größte Stadt Aventuriens nun endlich eine eigene Box bekommt. Das erinnerte mich übrigens gleich an die ganz alte Havena-Box mit ihren sehr detaillierten Beschreibungen und natürlich den sehr zahlreichen Gebäudeplänen.

AW: Wie entsteht ein Plan für die Gareth-Box?

DJ: Zunächst bekomme ich die Beschreibung des Gebäudes (oder Dungeons) und dazu meist noch eine mehr oder weniger aufwendige Skizze des Autors oder Redakteurs.

Als erstes fertige ich dann mit Bleistift eine Vorlage an. Mein Ziel besteht auch immer darin, die Spielbarkeit und Wünsche des Autors noch mit einer guten Portion bautechnischer Realität in Einklang zu bringen. Beispielsweise kann man sich das anhand der Pläne zum Hotel Seelander betrachten, die diesem Interview angehängt sind. So sollten in Ermangelung von elektrischem Licht ja möglichst alle Räume Fenster haben. Zudem mussten Teile des gewünschten Raumprogramms gestrichen werden, da die vielen Räume mit dem begrenzten Platz und dem Luxus des Hotels nicht in Einklang gebracht werden konnten.

Wenn die Vorlage abgesegnet wurde, zeichne ich auf Grundlage dieser Vorlage den Plan mit Pigmentstiften auf Layoutpapier. Soll heißen: Ich lege beides auf einen Lichttisch und zeichne durch. Den eigentlichen Plan anzufertigen geht dann übrigens sehr flott, die Vorlage zu entwickeln dauert meist länger. Wenn der Maßstab es erlaubt, möbliere ich das Gebäude auch noch.

Schließlich wird der Plan eingescannt (alles über DIN A3 bringe ich dafür zum Copyshop) und am PC in Photoshop nachbearbeitet und beschriftet.

AW: Welche technischen Hürden gab es zu meistern?

DJ: Die Arbeit lief eigentlich reibungslos. Ich hätte aber nur zu gerne jeden Plan doppelt so groß angefertigt, jedes Stockwerk gezeigt und am liebsten auch noch doppelt so viele Gebäude mit Plänen versehen. Gareth hat so viel zu zeigen.

AW: Auf welche Werkzeuge schwörst du bei deiner Arbeit?

DJ: Von meiner Ausbildung kommt meine Vorliebe für Layoutpapier, das vor allem für Renderings mit Markern verwendet wird und auf dem so gut wie nichts verläuft oder verschmiert. Darauf fertige ich meine Pläne an und benutze dabei Pigmentstifte, meist Multiliner von COPIC in unterschiedlichen Strichstärken. Dann brauche ich natürlich noch die ein oder andere Zeichenschablone und bisweilen einen Zirkel. Am PC bearbeite ich die fertigen Pläne nur nach, korrigiere Unsauberkeiten sowie Fehler und beschrifte die Pläne. Bei mir ist fast alles Handarbeit, ich denke, dass verleiht einem Plan erst seinen besonderen Charakter und Charme. Deshalb hatte ich auch nie das Bedürfnis, ganz auf Photoshop umzustellen.

AW: Welcher deiner Pläne, die du für die Box gestaltet hast, gefällt dir am besten?

DJ: Genau 30 Pläne galt es für die Box zu zeichnen und keiner gefällt mir schlecht. Was mich aber besonders gefreut hat, war, dass mein Vorschlag angenommen wurde, für den Tempel der Sonne auch einen Aufriss mit in die Box aufzunehmen. Viele Spieler haben sich bestimmt schon den Grundriss des Sonnentempels angesehen und gedacht: „Oha, ganz schön groß.“ Ich bin mir sicher, viele dieser Spieler werden sich den Aufriss anschauen und denken: „Du meine Güte! Ich hatte ja gar keine Ahnung ...“ Das kann eigentlich nur ein Plan oder eine Illustration vollständig vermitteln, nicht der Hinweis im Text, ein Gebäude wäre so und so hoch.

AW: Du bist auch erfahrener Das Schwarze Auge-Autor. Kann man in nächster Zeit wieder mit Abenteuern oder Romanen von dir rechnen?

DJ: Zuletzt habe ich mich ja eher auf Romane verlegt und tatsächlich habe ich derzeit auch wieder eine Idee für einen neuen Roman für Das Schwarze Auge. Ich hoffe, dass daraus etwas wird, aber es ist noch zu früh für Details.

Bilder: