kompaktansicht an/aus
ERWEITERTE SUCHE
2237Neuigkeiten
gefunden:
Aug212016

Die beste Convention ever – ein Gen Con-Bericht

Die Gen Con in Indianapolis ist die größte Spiele-Convention in Nordamerika. Auch Ulisses Spiele war in diesem Jahr zur Veröffentlichung des englischen Regelwerks, den The Dark Eye Core Rules, vor Ort. Für Markus, Niko, Nadine und meine Wenigkeit. ging es also vom 4. bis 7. August über den großen Teich in die USA. Und auch wenn wir das ganze Wochenende an zwei Ständen gearbeitet haben wie die Bekloppten, es unvorstellbar laut war – draußen brütend heiß, drinnen dank Klimaanlage beinahe frostig kühl – war es ein großartiges Event, das uns lange in Erinnerung bleiben wird. Auch nach Abklingen des Jetlags bin ich noch immer überzeugt: Das war die beste Convention ever!

Da dieser Blogeintrag aufgrund der vielen Eindrücke die Länge einer durchschnittlichen Nandurion-Rezension erreicht hat, habe ich die verschiedenen Abschnitte verlinkt, damit ihr schnell zum eurem Wunschthema springen könnt.

Die Gen Con – eine Con der Superlative

The Dark Eye auf der Gen Con

Eindrücke von Niko

Eindrücke von Nadine

Eevies Ausflug nach Cardhalla

Das Fazit

Weitere Bilder und Impressionen findet ihr ganz unten an den Artikel angehängt.

 

Die Gen Con – eine Con der Superlative

Die Gen Con ist nicht einfach nur eine große Convention. Sie ist riesig, vergleichbar in Deutschland eigentlich nur mit der SPIEL in Essen und doch wieder ganz anders. Hier findet der geneigte Liebhaber alles, was das Spielerherz begehrt: traditionelles Pen & Paper Rollenspiel, Brettspiele, Kartenspiele, LARP, Strategiespiele, Tabletops, Computerspiele aber auch Lesungen und Signierstunden bekannter Autorinnen und Autoren und eine riesige Artshow. Es gibt Workshops, Fragestunden und Präsentationen zu allen erdenklichen Themen rund ums Spielen und die Gamer-Community. Man kann sich in einem großen Live-Dungeon oder Escape-Räumen versuchen und es gibt Veranstaltungen zu Weltenbau, Charakterentwicklung, Konflikten im Rollenspiel, Romane schreiben, Kostümwettbewerbe, Auktionen, Handpuppenvorführungen, unzählige Pokémon Lock-Parties, Workshops zum Bemalen von Miniaturen und Sammelfiguren (sogar für Mein kleines Pony!) und, und, und.
Das Programmheft hat sagenhafte 306 (!) Seiten und davon sind allein 169 für Veranstaltungen und Spielrunden im Rahmen der Convention reserviert.


Die Ausstellungshalle im Convention Center ist riesig, in der Schlange an den Verkaufsständen oder der Registrierung für die Spielrunden wartet man schonmal mehrere Stunden. Das Gedränge ist groß und die Stimmung ist einfach gigantisch. Alle sind ausgesprochen gut gelaunt, und ich habe mich selten von einer solchen Begeisterungswelle mittragen lassen. Das ist eigentlich unmöglich zu erklären, ohne dass man glaubt, ich sei vollgepumpt mit Stimmungsaufhellern, das muss man selbst erlebt haben.

Die Aktivitäten beschränken sich aber bei Weitem nicht nur auf die Ausstellungshalle. An diesem Wochenende wird gespielt, bis der Arzt kommt. In fast allen größeren Hotels und Veranstaltungshallen rund um das ohnehin schon riesige Convention Center von Indianapolis finden Spielrunden statt. Auf einem Erkundungsgang, hat es uns irgendwann ins noble Mariott-Hotel verschlagen, wo gleich mehrere große Säle als Spielzone ausgewiesen waren. Ich habe vor Staunen den Mund fast nicht mehr zugekriegt.

 

The Dark Eye auf der Gen Con

Nach unserem erfolgreichen Kickstarter der englischsprachigen Version von Das schwarze Auge haben wir auf der Gen Con zum ersten Mal die The Dark Eye Core Rules und die mitgefundeten Stretchgoals und Add-ons verkauft. Wir waren gleich mit zwei Ständen am Start, einem kleineren nahe der Entepreneurs-Area und direkt auf dem riesigen Areal unseres langjährigen Partners Paizo Publishing, der sich unter anderem für Pathfinder verantwortlich zeichnet, direkt im Einlassbereich. Danke für diese riesen Chance!

Natürlich waren wir wahnsinnig aufgeregt, welchen Eindruck das fertige Produkt, in das in den vergangenen Monaten viel Arbeit geflossen ist, wohl im Ursprungsland des Fantasy-Rollenspiels machen würde. Unsere Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen, denn es gab kaum einmal fünf Minuten, während der wir nicht angeregte Gespräche geführt oder Buchpakte geschnürt haben. Auch wenn die Backer-Pakete aus dem Kickstarter bereits gepackt werden und einige schon auf dem Versandweg sind, ließen es sich doch viele der Backer nicht nehmen, uns am Stand zu besuchen, und es war wirklich schön, so viele nette Menschen persönlich kennenzulernen.

 

Gemeinsam mit unseren Kollegen aus den USA und unserem kleinen aber feinen Support-Team haben wir unzählige Fragen beantwortet und konnten viel Lob für unser phantastisches Artwork und die schöne Buchgestaltung einheimsen. Auch das Konzept der Lebendige Geschichte Aventuriens wurde begeistert aufgenommen, und wir haben unzählige Aventurian Heralds, die englische Ausgabe des Aventurischen Boten und Ingame-Karten von Aventurien, unters Volk gebracht.

Immer wieder sind Leute staunend bei Nadines Artshow stehengeblieben, bei der man auf einem großen Bildschirm verfolgen konnte, wie live Bilder für kommende Publikationen entstehen. Die als Give-away ausgelegten Zwölfgötter-Aufkleber waren heiß begehrt. Bei Kindern waren besonders Firun (Jungs), Boron (Mädchen) sowie Rondra und Travia (beide) sehr beliebt. Besonders aufgrund dem reißenden Absatz von Travia haben wir uns zu der Theorie verstiegen, dass Götterdarstellungen mit Tieren beim jüngeren Publikum gut ankommen. Weit mehr als alle Zwölfe wurde jedoch erschreckenderweise ausgerechnet deren Widersacher mitgenommen: der Gott ohne Namen.

 

Eindrücke von Niko

Ich war beeindruckt, wie scheinbar die ganze Stadt ihren Teil zur Gen Con beiträgt. Schon am Flughafen wird man mit einem „Welcome Gamer“-Banner begrüßt und in der ganzen Innenstadt von Indianapolis hängen Plakate, die die Conbesucher willkommen heißen. Bars, Restaurants und Coffeeshops ziehen ebenfalls mit, teilweise mit speziell für diese vier Tage designten Speisekarten im Warmachine und Hordes Layout wie im RAM oder mit speziellen Aktionen wie dem „DIE for Coffee“ be Bee Coffee, wo man mit vier Besuchen und einer Sammelkarte einen speziellen Bee’s Coffee- Würfel erhalten kann, der eigens anlässlich der Gen Con hergestellt wurde.

Auch die Conbesucher tragen natürlich ihren Teil zu der Atmosphäre bei, die Indianapolis für vier – eigentlich sogar fünf – Tage im Jahr im Griff hat: Schon am Mittwochabend vor der Con-Eröffnung sind die meisten mit ihrem Gen Con-Bade (ihrer Eintrittskarte) um den Hals unterwegs, was ein Gefühl von Gleichgesinntheit mit unglaublich vielen Menschen vermittelt. Eigentlich sieht man in der Innenstadt kaum Leute ohne eine Eintrittskarte, und sie wird auch beim Restaurantbesuch nicht abgenommen. Das Convention Center ist auch schon am Mittwoch geöffnet und die Schlange zum Abholen der Unterlagen und Anmelden der Spielrunden ist knapp 1,2 Kilometer lang und geht bis auf die Straße!

Wenn die Con dann erstmal ihre Türen geöffnet hat ist die Stimmung überwältigend. Natürlich ist man bezüglich der Begeisterungsfähigkeit der Amerikaner („everything is just awesome“) vorgewarnt, aber die positive Stimmung und Energie, die einem entgegenschlägt, dann selbst zu erleben ist einfach genial. Und ganz so unkritisch wie man glaubt, sind sie auch nicht. Zumindest musste ich mich ständig kritischen Fragen und Vergleichen zu D&D und Pathfinder stellen.

 

Eindrücke von Nadine

2016 war nicht mein erstes Mal auf der Gen Con, und seit ich letztes Jahr von dort zurückkam kreiste mir ein Gedanke ständig durch den Kopf: Kann Das Schwarze Auge bei den Amerikanern überhaupt auf Interesse stoßen? Dort drüben ist vieles größer aufgezogen, und die Rollenspielsysteme sind mannigfaltig und teils sehr abgedreht. Wird unser System da nicht in all der Masse und Exotik untergehen und ein Dasein als Mauerblümchen fristen? Wie kann man da bloß auf sich aufmerksam machen?

All diese Befürchtungen wurden in diesem Jahr zum Glück zerstreut, denn das vermeintliche Mauerblümchen braucht sich nicht zu verstecken – ganz im Gegenteil. Der Andrang an unserem Stand war groß, und obwohl die Core Rules nicht mit abgefahrenen Spezies, Klassen oder einem Setting der Superlativen daherkommen, punktet es doch gerade wegen seiner phantastischen Bodenständigkeit und der Lebendigen Geschichte. Auch wenn Das Schwarze Auge ein klassisches Fantasy-Rollenspiel ist, hebt es sich genug von vielen anderen Spielen ab, und das macht es reizvoll.
Meine Zweifel sind also bedankenswerter Weise ausradiert worden. Und ich bin sicher: All das positive Feedback und die Euphorie der neu gewonnen Fans erster Stunde wird meine Motivation noch für eine ganze Weile befeuern.

 

Eevies Ausflug nach Cardhalla

Cardhalla ist ein abgestecktes Areal im Eingangsbereich, in dem man nach Herzenslust Konstrukte aus zuvor gespendeten Karten bauen kann. Jeder darf mitmachen, selbst Grobmotoriker wie ich, und so entsteht bis Samstagabend eine Kartenstadt aus gigantischen Häusern, Türmen, Spiralen und anderen aberwitzigen Konstrukten, hauptsächlich aber nicht ausschließlich aus Magic-Karten. Zu später Stunde am Samstag wird das sich stets verändernde Kunstwerk dann unter lautem Gejohle zu Fall gebracht. Dabei dient das Ganze noch einem guten Zweck, denn Besucher dürfen mit Münzgeld werfen, um dies zu Wege zu bringen. Die Ehre, den höchsten Turm zu Fall zu bringen, ist jedoch ein Privileg, das ersteigert werden kann, und das Wettbieten ist ein ausgelassenes Treiben, bei dem Anwesende die beiden höchsten Bieter noch unterstützen können. Das so zusammengekommene Geld wird für wohltätige Zwecke gespendet.

 

Das Fazit

The Dark Eye ist wirklich gut angekommen in den USA, und die Gen Con zu besuchen, war ein phantastisches Erlebnis, für das ich sehr dankbar bin. Es war großartig, eine Gamer-Community zu erleben, die so groß und leidenschaftlich ist, und wenn ihr die Chance habt, einmal im Leben den weiten Weg auf euch zu nehmen: tut es, es lohnt sich. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, einmal vier Tage als Besucher mit Schauen, Staunen, Spielen und Achievements jagen dort zu verbringen.

Die beste Convention aller Zeiten ist ja bekanntermaßen immer die, auf der man gerade war. Zum Glück ist es nur noch eine Woche bis zur nächsten Veranstaltung, unserer hauseigenen RatCon. Das wird sicher riesig!


Wir sehen uns in Limburg
Eure Eevie

Bilder: