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Mai132017

Making Of: Die Gunst des Fuchses für DSA5

 

Die Gunst des Fuchses erneut gewinnen

von Michael Masberg


 

Vor ein paar Jahren rief mich Daniel Simon Richter an und fragte mich, ob ich Zeit und Lust hätte, eines der drei Beta-Abenteuer für das neue Regelwerk zu schreiben. Tatsächlich hatte ich gerade Zeit und – vielleicht noch entscheidender – eine Idee. Ich fasste sie als »Ocean’s Eleven in Belhanka« zusammen. Ich schrieb später zwar noch ein ausführlicheres Exposé, aber eigentlich hatte ich Daniel damit bereits überzeugt.

So entstand Die Gunst des Fuchses, ein Abenteuer, das im ursprünglichen Konzeptpapier noch Das Mädchen mit den goldenen Augen hieß. (Ein Titel, der von vielen gemocht wurde, aber leider zu lang für das Cover war.) Während sich die beiden weiteren Abenteuer für die Beta-Regeln, Die Quelle des Nagrach und Das Tal des Todes, auf andere Aspekte des neuen Systems konzentrierten und die Helden sich den Herausforderungen der Wildnis stellen durften, führte mein Abenteuer in das Venedig Aventuriens, wo es galt, Phexens Gunst mit einem gewagten Coup zu gewinnen.

Während ich darüber schreibe, stelle ich erschrocken fest, dass dies wirklich alte Kamellen sind, denn Die Gunst des Fuchses ist vor fast drei Jahren erschienen. Doch in Kürze erscheint das Abenteuer erneut, dem Beta-Strampler entwachsen und in den Schuhen der 5. Edition steckend. Und darüber will ich eigentlich schreiben.


 

J   etzt mache ich alles anders!

Es ist eine eher seltene Gelegenheit, zu einem alten Werk zurückzukehren. Selbst in meiner langen Liste an Publikationen für Das Schwarze Auge war Die Gunst des Fuchses bis dahin einmalig. Als die Neuauflage nahte, ging es zwar vorrangig um Regelanpassungen, aber auch um eine mögliche inhaltliche Überarbeitung – sofern ich mal wieder Zeit und Lust hätte. Die Zeit war dieses Mal zwar ein Problem, aber am Ende fand ich doch ausreichend davon und so kehrte ich im Sommer 2016 nach Belhanka zurück.

Und da saß ich dann auf den sonnenbeschienenen Plätzen zwischen den zahllosen Kanälen, vor mir die erste Gelegenheit, ein Abenteuer von mir einer Generalüberholung zu unterziehen. Wenn man mich fragen würde, welches meiner Werke eine solche Überarbeitung dringend nötig hätte, würde mir eine ganze Liste einfallen. Vieles, was man im stillen Kämmerlein schreibt oder gar einem Spieltest mit der eigenen Runde unterzieht, hat nicht zwangsläufig den Erfolg, den man sich erhofft. Hier und da übersieht man etwas, das für viele andere Runden elementar ist. Oder man denkt ein paar Jahre später, in denen man sich schließlich ebenso als Schreiberling weiterentwickelt hat: Das hättest du besser machen können – generell, von Anfang an und überhaupt: Was hast du dir dabei gedacht?

Das ›Problem‹ war: Bei Die Gunst des Fuchses hatte ich diese Gedanken nicht.


 

Oder doch nicht?

Es geziemt sich nicht, sich selbst zu loben, doch selbst mit zweieinhalb Jahren Abstand stellte ich fest, dass das Abenteuer funktioniert. Die Überarbeitung im großen Stil anzugehen, nur um ihrer selbst willen, hätte es vor allem verschlimmbessert. Dennoch wollte ich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, noch mehr aus Die Gunst des Fuchses herauszuholen.

Bevor ich mich an die Arbeit machte, zog ich den besten aller Ratgeber zur Hilfe: die Community von Das Schwarze Auge. Ich besuchte die Foren, las die Rezensionen und machte mir Notizen, was denen, die das Abenteuer gespielt hatten, gefallen hatte und was sie vermissten. Nicht alles davon floss auch in die Überarbeitung ein, aber das Feedback war dennoch wichtig, um Die Gunst des Fuchses noch besser zu machen.

Eine sehr charmante Idee hätte es übrigens fast geschafft: das Abenteuer auf zwei Zeitebenen teilweise als Rückblende zu spielen. Nach einem kurzen Einstieg beginnt es mit dem Coup, danach wechseln sich Szenen der Durchführung und der Vorbereitung miteinander ab. Da dies jedoch ganz andere Türen aufgemacht hätte, verzichtete ich am Ende darauf. Allerdings finde ich diesen cineastischen wie fordernden Ansatz nach wie vor zu spannend, um ihn nicht zumindest erwähnt zu haben.

So sah das Cover der DSA5-Beta-Version des Abenteuers aus
 

Die erneute Gunst des Fuchses

Die überarbeitete Fassung bietet nun einen klareren Einstieg, ohne auf die anderen Möglichkeiten, die Helden ins Abenteuer zu führen, zu verzichten. Außerdem wurden neue Szenen, Hindernisse und Lösungsansätze skizziert, die der Autor in der ursprünglichen Fassung entweder gekürzt oder sträflich vergessen hatte. Eher für die B-Note ist nennenswert, dass ich bei der Gelegenheit den Text als Ganzes gründlich poliert habe. Das mag sich inhaltlich kaum auswirken, liest sich aber schöner.

Und natürlich entsprechen die Regeln den neuen Standards der 5. Edition. Die Feinheiten daran habe ich geflissentlich den Regelfüchsen der Redaktion überlassen. Da sämtliche Meisterpersonen und Kreaturen aktuelle Werte haben, darf sich der geneigte Meister auf neue Herausforderungen für seine Helden freuen, die mit Die Gunst des Fuchses erstmalig nach DSA5-Regeln abgebildet werden.

Ich bin sehr gespannt, wie dem Mädchen mit den goldenen Augen sein neues Gewand steht, und hoffe, euch (erneut?) in die Serenissima entführen zu dürfen.

Phex mit euch!