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Mai252017

Earthdawn - Werkstattbericht Mai

Trotz aller Verlockungen, die das gute Wetter mit sich bringt, arbeiten wir unermüdlich an den kommenden Veröffentlichungen.
 
Tanz mit der Schlange
 
Die inhaltlichen Arbeiten an Band 1 werden in der kommenden Woche abgeschlossen sein. Dann kann der Band endlich ins Lektorat und von Maik Schmidt und seinem Team mit Illustrationen versehen werden.
Parallel wird an Band 2 und 3 geaarbeitet. Hier geht es stetig voran.
 
 
Travar
 
Der Band über die legendäre Handelsmetropole Travar ist fertig und sollte im Juni erscheinen. Einen Eindruck des Bandes geben die folgenden Textausschnitte, die sich vor allem mit der Wirtschaft der Stadt befasen.
 
 
„Euer Sinn für Fairness und Gerechtigkeit gereicht Euch zum Ruhme, mein Herr.
Bewahrt ihn Euch, und er wird Euch gut dienen. Aber durchschreitet die Tore von Travar, und Ihr werdet nur allzu bald bereit sein, euch von Euren erhabenen Idealen zu trennen, denn in Travar steht alles zum Verkauf.”
 
• Ranill Zagfonds, ruinierter Kaufmann und Torbettler •
 
Viele Dinge spalten die Bürger Travars, aber nur wenige schweißen sie zusammen. Diese wenigen Dinge jedoch haben so enge Bande gebildet, dass sie die Gesellschaft hervorgebracht haben, die wir heute in Travar sehen. Die vielleicht wichtigste gemeinsame Idee, die wirklich jedem Bürger gemein ist, ist die, ein Kaufmann zu sein, der für Großes bestimmt ist.
 
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das alltägliche Leben von Travars Bürgern, vom Vertragsvolk, das immer noch seine Schulden von vor der Plage zurückzahlt, über jene obszön reichen Kaufleute, die bereits große Bedeutung erlangt haben, bis hin zu den Gesetzen, nach denen sie alle leben, und dem Griff – einer Handelssucht, die es so nur in Travar gibt.
 
Das Volk von Travar
 
In Travar ist die Lücke zwischen den Reichen und den Armen eine regelrechte Schlucht. Der Außenstehende bemerkt davon für gewöhnlich nichts, weil er geblendet wird von Travars Fassade der Erhabenheit und Geschlossenheit. Viele travarer Bürger, sowohl reiche als auch arme, erkennen gar keine Klassenteilung oder gesellschaftlichen Schichten innerhalb der Bevölkerung. Geld ist vielleicht ein Maß für den Erfolg, aber da die meisten travarer Bürger glauben, dass sie für Großes bestimmt sind, ist dies kaum ein Grund zur Besorgnis. Schließlich ist der durchschnittliche Bewohner Travars wohlhabender als der durchschnittliche Bewohner des ländlichen Barsaives.
In den Straßen von Travar kann man sehen, wie sich Arm und Reich frei vermischen. Man sagt, dass die Reichen Travars selbstsüchtig seien und keine Sympathie oder Güte für die Armen übrig hätten, aber hier geht es nicht einfach um Mildtätigkeit oder einen Mangel daran. Genauso wie die Zwerge von Throal eine Affinität zur Erde haben, die definiert, wer sie sind, halten sich die Bürger Travars für Kaufleute, und dies definiert sie als Volk.
 
 
Diese Haltung geht im Übrigen viel tiefer als der Eindruck von Travar, von dem Besucher der Stadt ihren Freunden und Familienmitgliedern zu Hause berichten. Für einen Bürger Travars ist es schlichtweg nicht denkbar, Geld auszugeben, ohne dafür etwas zurückzubekommen. Ja, es ist ein ganz und gar fremdartiges Konzept, das er noch nicht einmal im Ansatz versteht. Selbst jene, die für einen Hungerlohn arbeiten, sehen ihre Arbeit als eine Investition oder ein Geschäft. Abgesehen von den Dieben in der Stadt und jenen, die buchstäblich nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen, erwartet niemand in Travar etwas für nichts. Man sagt, dass sogar der Bettler in Travar nur so
lange untätig auf der Straße herumsitzt, bis er seinen nächsten Handel abschließenkann.
 
In ganz Barsaive erzählen sich die Leute eindrucksvolle Geschichten über Travars Kaufleute, die Gewänder aus gewebtem Gold tragen, auf Betten aus elementarer Luft schlafen, mit einer ganzen Entourage an Beratern reisen und lebende Legenden als Leibwachen beschäftigen. Viele travarer Kaufleute lieben es, ihren Reichtum öffentlich zur Schau zu stellen, besonders, um auswärtige Würdenträger zu beeindrucken, die die Stadt besuchen. Um einen Botschafter aus Vivane zu beeindrucken, kam ein Kaufmann einmal in einem fliegenden goldenen Kampfwagen an, der von Pferden gezogen wurde,
deren Hufe mit elementarer Luft beschlagen waren. In Travar sind dies nicht einfach nur Geschichten, die kleine Kinder erfreuen sollen. Sie sind – auch wenn sie nicht häufig vorkommen – im Gegenteil real und eine Quelle der Inspiration für alle, die danach streben, zu den größten unter Travars Kaufleuten zu gehören. Es kommt nicht selten vor, dass die Reichen und Prunkvollen eine große Anzahl an Leibwachen und Leibdienern allein zu dem Zweck beschäftigen, öffentlich ihr Nahen zu verkünden. Die Entouragen beschäftigen häufig sogenannte „Schieber”, deren Aufgabe es ist, Leute aus dem Weg der herannahenden Prozession zu schieben. Trotz ihres Aussehens sind die Schieber für gewöhnlich sanft im Umgang mit Kindern und Alten, während sie gleichzeitig ihr Möglichstes tun, um brutal zu erscheinen.
 
Funktionäre, die die Nachhut bilden, helfen oft jenen auf, die hingefallen sind, und geben ihnen manchmal ein paar Münzen, um ihnen die unangenehme Erfahrung zu versüßen. Straßenkinder nähern sich solchen Prozessionen häufig in der Hoffnung, ein paar Silberstücke damit zu verdienen, dass sie ohne viel Federlesens in die Menge gestoßen werden.
Die großen Handelshäuser unterscheiden sich außerdem durch ihren schieren Einfluss von denen, die versuchen, ihnen zu nachzueifern. Sie kontrollieren die Geld- und Warenflüsse, die Arbeiterschaft und den Transport und sind damit nach allen praktischen Maßstäben die Regierung. Die meisten wohlhabenden Kaufleute investieren auch in die Aktivposten anderer Handelshäuser und -gesellschaften. Travars Kaufleute haben überall ihre Finger drinnen, auch in den Geschäften der anderen Kaufleute, was zu bösem Blut oder sogar offenen Feindseligkeiten führen kann. Der Platz an der Spitze des Kaufmannshaufens in Travar ist nun mal begrenzt, und die Kaufleute, die an der Spitze stehen, machen vor nichts Halt, um ihren Profit zu schützen und ihre Position zu halten.
 
Für die Durchschnittsbürger ist das Leben das, was sie daraus machen, und die meisten von ihnen sind stolz darauf, sich Bürger Travars nennen zu dürfen. Die Travarer sind im tiefsten Innern Kaufleute, und ihr Unternehmergeist ist fast unverwüstlich. Wenn eine Unternehmung keinen Erfolg hat, denken sie sich eben eine neue aus oder gehen die alte aus einer anderen Richtung an. Sie sind zwar leidenschaftlich, wenn es um das Verhandeln eines Geschäftsabschlusses geht, gehören aber ansonsten zu den friedlichsten Einwohnern Barsaives und haben keinen Gefallen an Krieg oder Konflikten.
 
Sie ziehen es stattdessen vor, ihre Probleme mit verhandelten Vereinbarungen zu lösen – vorzugsweise mit profitablen. Dies steht im krassen Gegensatz zu den throalischen Bürgern, die den Konflikt mit den Theranern unterstützten, um ihre vermeintlich verlorene Ehre auf Prajjors Feld wiederherzustellen, oder mit dem Dieb aus Kratas, der bereit ist, als Teil seiner „Geschäftstätigkeiten” Kehlen durchzuschneiden. Es scheint, dass die Passionen die Einwohner von Travar mit einer großen Geduld und einer hohen Toleranz für Gier, Geiz und Feindseligkeit gesegnet (manche sagen verflucht) haben. Die Travarer tolerieren Dinge, die andere Nationen an den Rand eines Krieges bringen würden. Die einzige Ausnahme davon ist der Wahlkampf. Man sollte anmerken, dass die Stadtbewohner häufig von einer ungewöhnlich furchterregenden Blutlust überwältigt werden, wenn sie die Champions in der Arena unterstützen. Es braucht schon eine enorme Gier oder Grausamkeit, damit die Travarer ihr friedvolles Wesen abschütteln, aber wenn sie es tun, markiert es einen Wendepunkt in Travars Geschichte.
 
Travars Handelshäuser werden mit den Grundsteinen verglichen, auf denen die Stadt steht. Sie sponsern das Volk und die Kultur, und ohne sie wäre Travar nicht die Stadt, die sie heute ist. Das Gegenteil gilt allerdings auch, denn ohne Travar wären die Handelshäuser kaum mehr als Straßenhändler und Ladenbesitzer, die um ihren Lebensunterhalt kämpften, und die Einwohner wären nichts weiter als Bettler, Straßenkinder und Bauern, die sich mühsam durchschlügen. Travar ruft in jedem Travarer ein Gefühl der Größe und Bedeutung hervor, und die Handelshäuser sind eine Manifestation dieser Größe. Die Handelshäuser und Travar sind zu einer Wesenheit verschmolzen, zu einem Teil derselben großen, unsichtbaren und untrennbaren Struktur.
Wenn man eines von beiden entfernte, würde das andere unweigerlich aus den Fugen geraten.
 
Die Handelshäuser haben zusammen mehr Macht als viele aufstrebende Regierungen in Barsaive und einen Einfluss an Orten, wo dies nicht immer willkommen ist. Sie sind die Stützpfeiler der Wirtschaft in Travar und Umgebung. Selbst weit jenseits der Stadtmauern spüren Individuen und Regierungen ihre Anwesenheit. Travars Macht und Einfluss gründen sich auf den Handel. Wenn damit nicht weise umgegangen würde, könnte es Travars Verderben bedeuten. Travars Macht und Reichtum halfen der Stadt dabei, die Verwüstungen der Plage zu überstehen, förderten aber auch Gier und Habsucht, die ihr von innen heraus schwere Schäden zufügen. Heutzutage ist es das Verlangen nach dieser Macht, das Travars Feinde anlockt und gleichzeitig aufhält; sie zögern zuzuschlagen, damit sie nicht ihren eigenen Interessen schaden oder den Zorn anderer auf sich ziehen.
 
Travars Kaufleute streben nach Frieden und Gewinn. Auch wenn viele die genannte Reihenfolge dieser beiden Dinge in Frage stellen würden, baut eines auf dem anderenauf. Durch seine Kaufleute und Handelshäuser hat Travar einen Weg des Friedens verfolgt, während viele seiner Nachbarn auf dem Weg des Krieges wandeln. Bei den Travarern gibt es ein Sprichwort: „Soldaten und Kaufleute prosperieren nicht auf demselben Markt.” Das heißt nicht, dass Travars Handelshäuser eine Armee nicht ausrüsten würden, wenn der Preis stimmt. Travars Kaufleute sind berühmt dafür, Konflikte zu vermeiden, aber wenn sie provoziert werden, kämpfen sie, um all das zu schützen, was sie sich erarbeitet haben.
 
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Das wäre es für diesen Monat. Wir arbeiten mit Hochdruck an vielen weiteren Projekten, damit 2017 ein spannendes erstes Jahr für Earthdawn 4 auf Deutsch werden wird!
 
Macht's gut - und spielt Earthdawn!
 
Lars Heitmann-Ohnesorge
 
 Ein Portrait des legendären obsidianischen Händlers Omasu.