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Sep202017

Ein Interview mit Autor Robert Corvus zum Phileasson-Crowdfunding

Noch bis nächsten Montag läuft das Crowdfunding für die Deluxe-Ausgabe der Phileasson Romane. In der ihr die ersten beiden Bände der Reihe in einem Sammelband bekommen könnt der den Namen "Prachtausgabe" wirklich verdient habt. Um euch auch die Künstler hinter dem Werk näher zu bringen haben wir schon die Illustratorin des Projekts Katharina Niko interviewt und konnten heute auch Robert Corvus, einem der beiden Autoren, ein paar Fragen stellen.

Moin Robert, du bist einer der Autoren der Phileasson-Saga, aber was sonst sollten unsere Leser, die dich noch nicht kennen über dich wissen?

Letztlich muss ein Roman immer für sich selbst stehen. Eine Geschichte ist gut geschrieben, oder sie ist schlecht geschrieben – ob der Autor sie unter einer Brücke im Regen oder am Pool seiner Villa beim Cocktailschlürfen verfasst hat, ist irrelevant.

Diejenigen, die es dennoch interessiert, liegen mit der Vorstellung richtig, dass ich meistens an einem Tisch in meinem Arbeitszimmer schreibe, im Sommer auch gern mit dem Laptop unter einem Schatten spendenden Baum. Seit 2013 mache ich das hauptberuflich. Vorher war ich Soldat, Student, Unternehmensberater, Weltreisender und Projektleiter.

Neben meiner Schriftstellerei kennen mich viele auch von meinem Youtube-Kanal, wo ich zweimal im Monat live berichte und Fragen beantworte. Außerdem stelle ich dort Videos zu Schwerpunktthemen ein. Darin erkläre ich den Weg von der Idee zum fertigen Buch oder die Erstellung eines Szenenplans.

 

 Foto: Gustav Kuhweide, Köln

 

Was außer der Phileasson-Saga hast du bereits geschrieben?

Begonnen habe ich mit meinem Pseudonym Bernard Craw. Darunter sind bei Fantasy Productions und Ulisses eine ganze Reihe Bücher erschienen. Zunächst in der Reihe BattleTech (Karma und drei Romane über die Andurienkriege), schnell dann auch für Das schwarze Auge.

Bernhard Hennen und ich lieben es, Querverweise zu bestehendem DSA-Material in Die Phileasson-Saga einzubringen, und besonders gern nehmen wir dabei Motive aus unseren eigenen Romanen auf. Die Figur Praioslob etwa wurde von Dornblut aus (Handlungsschauplatz von Todesstille) in den Himmelsturm verschleppt, die Tänzerin Shulinai stammt aus Gwerrat (bekannt aus Im Schatten der Dornrose). Der Stahl von Eichwards Schwert wurde in Isenborn gewonnen (Stein, Erz, Eisen, Stahl), und aus der Isenborn-Tetralogie habe ich ebenfalls zwei Figuren entliehen, die im vierten Phileasson-Band, Silberflamme, ein paar Szenen bekommen. Rückblickend war auch der Sechsteiler Die Türme von Taladur eine wesentliche Vorbereitung für Die Phileasson-Saga, allerdings mehr aus verlegerischer als aus Autorensicht. Es gab schon einige Versuche, eine größere Reihe mit mehreren Autoren innerhalb der DSA-Taschenbuchreihe umzusetzen. Mit Die Türme von Taladur ist uns das in vertretbarer Zeit gelungen, das war sozusagen der Beweis, dass es machbar ist.

Inzwischen mache ich aber andere Sachen. Seit 2013 veröffentliche ich im Schnitt einen Roman in jedem Halbjahresprogramm des Piper-Verlages, wo ich in der Dark Fantasy meinen Schwerpunkt habe. Meine aktuelle Trilogie, Die Schwertfeuer-Saga, dreht sich um Söldner, die mit Dämonen im Bunde stehen. Außerdem veröffentliche ich dort Science-Fiction (zum Beispiel Feuer der Leere). Das passt sehr gut, weil ich als drittes Standbein neben den Piper-Büchern und der Phileasson-Reihe ab und zu etwas zu Perry Rhodan beitrage, der größten Serie der Welt.

 

Hast du eine besondere Verbindung zu DSA und Aventurien? Spielst du noch DSA?

Rollenspiele haben meine Teenagerzeit geprägt. Ich habe damals an sechs Abenden in der Woche gespielt, und DSA war immer dabei. Anfang der Neunziger war diese intensive Phase vorbei, das Schreiben gewann Oberhand. Erst 2009 kam ich als Romanautor zurück nach Aventurien – und war beim Studium des Quellenmaterials verblüfft, was sich dort alles getan hatte …

Ich spiele nicht mehr, dazu ist mit das Rollenspielen zu nah an meinem Beruf. Ich besitze aber eine recht ansehnliche DSA-Bibliothek, insbesondere, was Quellenbücher angeht, und glaube, dass ich mich in der Hintergrundwelt gut auskenne. Das finde ich in unseren Diskussionen mit der DSA-Redaktion bestätigt, wenn es um Details der Setzungen geht und ich manchmal auf Dinge verweisen kann, die auch dort nicht präsent waren. Meistens ist es aber natürlich umgekehrt und wir werden auf Fakten hingewiesen, die wir übersehen haben. Und was die Regelmechanismen angeht, oute ich mich als vollkommen unwissend.

 

Hast du die Phileasson-Saga bereits als Spieler oder SL am Tisch erleben können? Wie war es?

Für die heutigen Spielerinnen und Spieler klingt es vermutlich seltsam, aber für mich war Die Phileasson-Saga zu neu. Als sie rauskam, neigte sich meine aktive Rollenspielzeit bereits dem Ende entgegen – ich hatte ja bereits 1984 begonnen. Meinen Erstkontakt mit Phileasson hatte ich daher, als ich mit der Recherche für meine DSA-Romane begann. Die Wettfahrt und ihre Auswirkungen haben deutliche Spuren in Aventurien hinterlassen, sodass man an vielen Stellen darauf stößt.

Das ist auch bei der aktuellen Arbeit ein Faszinosum: Die Kampagne hat den Hintergrund mitgeprägt, und dieser Hintergrund ist nun wiederum bestimmend für unsere Romane, die teils auch Anregungen geben, die die Redaktion für weitere Quellenbücher aufnimmt. Es ist ein kreatives Wechselspiel.

 

Was ist dein liebstes Reiseziel auf Phileassons Route?

Ich liebe fremde Kulturen und erforsche gern Figuren, die innerhalb eines verschobenen Wertesystems agieren. Daher freue ich mich besonders auf Das Tal der Echsengötter. Ich bin gespannt darauf, wie sich unsere Helden mit dem Kult von Marus, Krakoniern und Schlangenmenschen herumschlagen werden. Überhaupt: Kulte sind ein weiteres Steckenpferd von mir. Und der Schauplatz ist die Heimat von Irulla, einer Figur, die ich besonders mag. Also: Der neunte Band, das Tal mit den Pyramiden auf einem hohen Berg mitten im dampfenden Dschungel – dieser Etappe fiebere ich entgegen.

 

Auf was freust du dich bei der Prachtausgabe besonders?

Zunächst einmal bedanke ich mich bei allen, die dieses Projekt unterstützen. Sie ermöglichen damit eine wirklich sehr schöne Ausgabe, bei der ich sicher bin, dass wir alle sie noch in vielen Jahren gern zur Hand nehmen werden.

Ich verbinde Metallecken an Büchern mit dem Statement, dass das jeweilige Werk für die Ewigkeit gedacht ist. Dieses Bonusziel konnte für die Ledervariante freigeschaltet werden, was mich sehr freut. Damit ist sicher, dass dieses Buch in jedem Regal ein Schmuckstück sein wird. Und wenn man es dann aufschlägt, erwarten einen eine aufwendige Gestaltung und gleich mehrere Illustrationen von Tokala – da bin ich sicher, dass das Innere halten wird, was der Umschlag verspricht.

 

Du hast dieses Wochenende eine Lesung auf den Namenlosen Tagen in Syke. Was erwartet die Besucher?

Am Freitag, 22. September, darf ich dort Die Phileasson-Saga vorstellen. Der vierte Band, Silberflamme, ist ja ganz frisch diesen Monat erschienen, weswegen ich vermute, dass ihn viele noch nicht kennen. Ich werde eine Szene vortragen, über den Entstehungsprozess plaudern und Fragen des Publikums beantworten. Natürlich darf auch ein Auftritt der Thorwaler-Chors nicht fehlen – dafür sind unser Veranstaltungen ja inzwischen bekannt. Vielleicht wird es sogar ein Bootleg dieses musischen Hochgenusses geben – einige davon kursieren bereits im Internet.