kompaktansicht an/aus
ERWEITERTE SUCHE
2473Neuigkeiten
gefunden:
Apr222018

Meine Welt der Dunkelheit: Mirko Bader, Redakteur

Gerade läuft das Crowdfunding zu Vampire: Die Jubiläumsausgaben und als Fans der Welt der Dunkelheit haben wir natürlich selbst einen Bezug zu diesem Spiel und dieser großartigen Spielwelt. Während dem Verlauf des Crowdfundings fragen wir Mitarbeiter und Freunde uns ihre ganz eigene Welt der Dunkelheit zu schildern und wie sie dazu gekommen sind.
Den Anfang macht Mirko Bader, der aktuelle Redakteuer der Reihe.

An was ich mich im Zusammenhang mit der Welt der Dunkelheit erinnere? Gute Frage. Zugegeben: Ich hege eine große Liebe für dieses Rollenspiel, das erste System, welches mehr Wert auf Erzählkunst denn auf bloßes Würfelschubsen legte – und das sicher auch einen großen Anteil an meinem eigenen Spätwerk namens HeXXen 1733 hatte.

Über Jahre habe ich es gespielt, habe es genossen, wenn sich Brujah mit Toreador anlegten, wenn Tremere ihre Intrigen spinnten, Ventrue den großen Macker raushängen ließen, und mein eher gediegener Cousin beim Ausspielen eines Malkavianers plötzlich auflebte wie eine Rose von Jericho.

Mein erstes Spielerlebnis? Das war irgendwann Anfang der 90er. Das fand im Keller meines Elternhauses statt (wo wir immer spielten). Und der Spielleiter war ein gewisser Markus Plötz, den ich kurze Zeit vorher auf einem Con in Wiesbaden kennengelernt hatte (wir freundeten uns spät nachts bei einer Partie BattleTech an, und Markus goss mir reichlich … ich glaube es war Cognac … ein, aber erzählt das bloß keinem weiter, sonst krieg ich Ärger von meinem heutigen Chef). Jedenfalls kam diese Urgewalt von einem Spielleiter zu uns in meinen Heimatort und zeigt uns, wie man eine Partie Werwolf auf sein intensivste Art spielen kann (eigentlich dominierte nur der Spielleiter, wir anderen – damals zarte 18 – 22 Lenze – wagten kaum, einen flotten Spruch loszulassen, so ernst meinte es Markus mit seiner Interpretation der Welt der DUNKELHEIT (und er meinte das buchstäblich, dann bei einer besonders gruselige Szene machte er das Licht im Spielkeller aus und war fortan ein Geist, der um unsere Nacken strich wie der grimme Schnitter persönlich)). [Memo an mich selbst: Ich sollte vermeiden, verschachtelte Klammersätze zu bilden – eckige Klammern tun es auch.]

Wahrscheinlich war ich dermaßen eingeschüchtert von Markus‘ Performance, dass ich erst Jahre später selbst mit der Welt der Dunkelheit begann, natürlich – standesgemäß – mit Vampire, dann aber auch schnell mit Werwolf und dem ganzen Rest, denn die WdD war eher eine Sucht, und die Bücher waren ein Treibstoff, der eine Flamme in meinem Geist entzündete, die noch viele Jahre brennen sollte. Unvergessen meine Erinnerung an einen Werwolf-Abend, als sich zwei meiner Freunde dermaßen über die weitere Entwicklung stritten, dass die Rolle des Alpha-Wolfes mindestens dreimal hin und her wechselte. Unvergessen auch der Auftritt einer kindlichen Brujah Neonate, die im Alleingang einen Elder zerschnetzelte (Celerity ist sowas von IMBA!). Mit der Zeit jedoch erlahmte das Interesse an der Welt der Dunkelheit. Ein Versuch, Wraith zu spielen, bestand darin, den kompletten Spielabend mit der Charaktererschaffung zu verbringen – was mich zu einem hysterischen Lachen verleitete, als ich auf dem Buch-Cover den Hinweis las, es handele sich um ein Storytelling-System (HA HA). Kindred oft the East war denn auch mein letzter Exkurs in die Welt der Bluttrinker mit der ernüchternden Erkenntnis, dass selbst AD&D weniger Regeln hatte als die neuen WdD-Produkte. Dennoch: Die Anfangsjahre mit der Welt der Dunkelheit waren eine Schatzkiste von Erfahrungen, die ich nimmer missen möchte – und das nicht nur, weil die 90er Jahre irgendwie … dunkel und finster und gothic und „The Crow“ waren.

Ende der 90er traf ich per Zufall auf einem Con in meiner Heimatstadt Limburg einen Typen, der von einem Liverollenspiel namens „Vampire“ in Idstein sprach. Und als ich dort zu einem Schnupperabend eintraf, fand ich (naja, ich hätte es mir ja eigentlich denken können) Markus Plötz als Organisator vor. Das LARP eröffnete komplett neue Welten – in meinem Kopf und meinen Füßen (die plötzlich merkten, was es wirklich bedeutet, eine lange Nacht über hartes Kopfsteinpflaster zu laufen). Mehr als acht Jahre lang frönte ich dem LARP-Hobby, anfangs in Idstein, danach in Montabaur, später mit eigenem Spielsystem in Limburg (das Limburger Rollenspiel läuft übrigens seit 2001 – wenn ihr Interesse habt, googelt nach dem Begriff „Archaica“ – ein wirklich guter Freund namens Torsten Siegler hält das Spiel seit etlichen Jahren am Leben – zack, Eigenwerbung! (das löscht Philipp bestimmt raus, wetten?)) [s.o.] [Achwas, gönn dir. -Ph.N.]

Zurück zum Thema: Als ich 2016 das Angebot bekam, bei Ulisses als Redakteur arbeiten zu können (der Name des Chefs wurde hier mehrfach erwähnt), habe ich nicht lange gezögert und zugegriffen. Und wie froh ich war, als ich mit der W20 erstmals für die deutsche Übersetzung meiner alten Leidenschaft beauftragt wurde! (Und wie ernüchtert ich war, als mich bemerkte, was für eine unglaubliche Arbeit das bedeutete und dass es kaum möglich ist, ein solches Mammutprojekt ohne Fehler abzuliefern!) Dennoch: Die WdD hatte mich wieder in ihren Bann gezogen. Genauer gesagt: eigentlich hatte sie mich nie aus ihrem Bann entlassen.

Welch cooler Moment im November 2016, als Mark Rein-Hagen, der Erschaffer von Vampire, persönlich zur Heinz-Con Returns anreiste. Und das auch noch einen Katzensprung von Limburg entfernt. Unvergessen mein Erlebnis, als ich ihn und eine Gruppe ziemlich cooler Jungs (ich glaube, es war kein Mädchen dabei, kann mich aber irren), nachts durch die malerische Limburger Altstadt führte. Der alte Friedhof, wo wir so viele Nächte beim LARP verbracht hatten. Das Friedhofstor. Der Dom. Die verwinkelten Gassen zwischen Fachwerkhäusern. Und dann ein Absacker ihn der BESTEN WHISKY-BAR DEUTSCHLAND, der Villa Konthor (*hüstel* nur 100 Meter von der Stadthalle entfernt *hüstel*). Dort, wo dieses kleine, sentimentale Bildchen entstand. Hach, war das schön …