kompaktansicht an/aus
ERWEITERTE SUCHE
2499Neuigkeiten
gefunden:
Jan082019

Werkstattbericht zu Die Gefangenen von Santobal

Heute gibt uns David Schmidt (Die Paligan Akten, Ewiger Hass) einen Einblick in sein neues DSA Abenteuer Die Gefangenen von Santobal.

Alles begann mit der Konzeptidee für ein Heldenwerk-Abenteuer von überschaubarer Länge. Ich hatte ein Closed Room-Szenario im Kopf, bei dem die Helden aus einem Gefängnis entkommen mussten und dazu auf eine unsichere Allianz mit ihren Mitgefangenen angewiesen waren. Nachdem meine erste Skizze das Interesse der Redaktion geweckt hatte, fing ich an, die Idee weiter auszuarbeiten – und damit begann der Schauplatz des Abenteuers über den aventurischen Kontinent zu wandern ...

Da das Gefängnis als zentraler Handlungsort eine wichtige Rolle spielen sollte, hatte ich schon früh bestimmte Kriterien im Kopf, die der Schauplatz erfüllen sollte. In meinem ersten Entwurf hatte ich die berüchtigte Gefängnisfeste Perlstein auf der Insel Rulat vor der tobrischen Küste vorgeschlagen, die dann aber doch nicht ganz so perfekt passte, wie zunächst gedacht. Als nächstes folgte die Burg Naumstein, das Krongefängnis des Horasreiches, aber auch dabei blieb es nicht. Die dann ins Auge gefasste Kerkerfestung Moorburg in der Nähe von Havena war bereits für eine Ausgestaltung im Rahmen der Havena-Spielhilfe vorgesehen und die Festungsstadt Al'Muktur in Almada erst kurz zuvor in einem anderen Abenteuer als Schauplatz verwendet worden. Für kurze Zeit gehörte auch das Merymakon, ein weitläufiger Gefängniskomplex auf den Zyklopeninseln, zur engeren Wahl, wurde dann aber wieder verworfen, weil es als luxuriöses Adelsgefängnis zu untypisch für ein klassisches Gefängnisausbruch-Setting schien. Und so ging es weiter. Stets gab es gute Gründe, warum ein Schauplatz nicht oder doch zumindest nicht ideal für die Abenteuer-Idee geeignet war. Am Ende war meine zu Anfang lange Liste aventurischer Hochsicherheitsgefängnisse ziemlich kurz geworden, aber dafür hatte ich einen optimalen Schauplatz gefunden: Die al'anfanische Gefängnismine Santobal auf der Südmeerinsel Sukkuvelani. Die düster-dreckige Beschreibung der Mine im alten Quellenband Katakomben und Kavernen ließ direkt Bilder in meinem Kopf lebendig werden.

Nachdem der Ort des Geschehens feststand, begann ich damit, die Handlung weiter auszugestalten. Ich wollte einerseits eine Reihe typischer Gefängnis-Klischees aufgreifen, zugleich war mir aber auch der bewusste Bruch dieser Klischees an der einen oder anderen Stelle wichtig. In dieser Phase der Arbeit habe ich viel über Gefängnis-Settings gelesen und mir von „Flucht von Alcatraz“ bis zu „Prison Break“ alles angesehen, was mir an Gefängnis(ausbruchs)filmen und -serien in die Hände fiel.

Um eine solide Grundlage für die Abläufe innerhalb des Settings zu haben, fertigte ich dann eine Skizze des Gefängnisses an. Und auch hier blieb es nicht bei einem Entwurf, weil mir und später dann den aufmerksamen Redakteuren, die mich betreuten, immer wieder kleinere Unstimmigkeiten und Logikbrüche auffielen: Sollten die Unterkünfte der Wächter nicht näher am Domizil der Intendantin liegen? Wo ist hier eigentlich die Küche und wo werden die Nahrungsmittelvorräte gelagert? ... So brauchte es ein gutes halbes Dutzend immer wieder verworfener und angepasster Entwürfe, bis Santobal in seiner endgültigen Form Gestalt annahm. Am Ende standen dann mehrere Karten des Areals, die Meistern wie Spielern die Orientierung in der Diamantmine enorm erleichtern dürften.

Schon in den ersten Entwürfen stand als einer der Grundgedanken des Abenteuers fest, dass die Helden das Gefängnis-Setting nicht als Besucher oder Wächter, sondern als Gefangene betreten sollten. In Romanen und Filmen sind Helden in Gefangenschaft ein beliebtes Motiv, mit dessen Hilfe sich sehr gut Spannung aufbauen lässt. Im Rollenspiel ist es dagegen häufig ein sensibles Thema, das einen behutsamen Umgang erfordert, weil die Zwangslage, der die Helden ausgesetzt sind, mitunter auch die Spieler entmutigen kann, wenn diese sich dadurch in ihrer Handlungsfreiheit einschränkt fühlen. Deshalb war es mir wichtig, hier gute Lösungen zu finden und ich habe an diesem Punkt lange gefeilt und viel darüber nachgedacht, wie sich dieses Thema umsetzen lässt, ohne dass bei Spielern oder Meister Frustration aufkommt. Was dabei herausgekommen ist, wird hoffentlich vielen von euch spannende und vergnügliche Spielabende ermöglichen. Die Gefangenen von Santobal bietet mannigfaltige Herausforderungen, funkelnde Diamanten und die ganz besondere Atmosphäre einer Gefängnismine in der Charyptik.

 

Ich hoffe, ihr findet den Weg nach Santobal – und auch wieder hinaus!

 

David